Das letzte Jahr

 D 2003

The Last Year

Independent 124 min.
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Gedreht in lockerer Anlehnung an Ovids «Fasti» in drei Teilen. Erster Teil: «Herbst und Winter». Zweiter Teil: «Frühling». Dritter Teil: «Von der Wiedergeburt». Natürlich gehört zu diesen drei Büchern ein viertes. Ein so verwirrter Charakter wie unser Held hätte die ersten drei kaum schreiben können. Dazu braucht es einen klareren Kopf, und man muss daher in einem wesentlichen Kern noch um vieles verwirrter sein. Insofern müsste es im vierten Buch konsequenterweise um mich gehen, um meine Wenigkeit. Doch angesichts der rohen, jedwede Vernunft beleidigenden Substanz dieser fast fünfhundert Seiten, die ich in den letzten acht Wochen, beginnend bei einem Kurzurlaub in Ostende, wie ein vollkommen Besessener in mein Notebook getippt habe, ohne sonst irgendwas übers Allertäglichste Hinausgehende zu tun, überfällt mich eine unglaubliche Fassungslosigkeit. Eigentlich müsste ich daher diese jetzt zu beschreiben beginnen. Aber dazu müsste ich sehr weit ausholen. Dazu müsste ich zumindest beschreiben, was ich sonst seit Jahresbeginn getan habe ... ... müsste ich über meine lange Krankheit berichten, die dazu führte, dass ich mit dem Rauchen aufhörte ... ... müsste ich über meine langen Gespräche mit Durs Grünbein berichten ... ... müsste ich über Ausonius und Claudianus sprechen und über den Untergang des römischen Reichs, über die unfassbare Länge seiner Dauer, müsste ich auf unseren Versuch eingehen, uns der römischen Todesgöttin Proserpina zu nähern, der griechischen Persephone ... ... müsste ich davon sprechen, dass ich seit letztem September, als sich ein befürchteter Prostatakrebs als Irrtum erwies, ein filmisches Tagebuch anfertige, worin ich mit der Videokamera täglich einige Bilder aufnehme, die mir wirklich gefallen (zuerst täglich drei, seit der Jahreswende vier, seit dem Frühlingsanfang fünf oder sieben). (Klaus Wyborny, aus dem Text des zweiten Teils)

(Text: Viennale 2009)

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Klaus Wyborny
Klaus Wyborny
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