De l'origine du XXIème siècle

 F 2000
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Man ist auf Anhieb überwältigt von soviel Schönheit: eine Landschaft, ein Baum, Spaziergänger, eine Arie und ein junges Mädchen auf dem Fahrrad. Ein wenig später durchquert ein Bus leise die Nacht, so als würde er schweben; man denkt an einen Gefangenentransport während des Jugoslawienkrieges – eine mysteriöse Spur, die sich in der Dunkelheit verliert. Das ist der Beginn von De l’origine du XXIe siècle – ein Auftragswerk, das im Jahr 2000 als Eröffnungsfilm der Filmfestspiele in Cannes entstand – ein Versuch, sagt er. „Ich habe versucht, die Erinnerung an die schrecklichen Explosionen und die Verbrechen durch die Kindergesichter und die Tränen und das Lächeln von Frauen zu verdecken.“ Der Versuch war natürlich zum Scheitern verurteilt, denn in diesem Rückblick gibt es kein Heilmittel gegen die Gräuel des verflossenen Jahrhunderts. Godard lässt das 20. Jahrhundert in umgekehrter Richtung Revue passieren; seine großen Bildströme setzen sich aus Armeen und Flüchtlingen, aus Kanonaden und Gefangenen, aus Güterzügen und Leichenbergen, aus Eroberungen und Besatzungen, aus Erniedrigung und Folter zusammen. Und wenn eine Szene sich auf die Suche nach einem verlorenen Jahrhundert macht, dann findet sie keine süßen Erinnerungen, sondern eine Epoche, die verloren ist, weil Gewalt und Kriege sie verwüstet haben. (Anne-Marie Miéville, übersetzt von Petra Metelko) Wird zusammen gezeigt mit La Vie commence demain. Lesen Sie weitere Beiträge zum Film und zur Retrospektive 2007 in der VIENNALE-Publikation Der Weg der Termiten. Beispiele eines Essayistischen Kinos 1909–2004.

(Text: Viennale 2007)

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Jean-Luc Godard
Julien Hirsch

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