Der Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter

 BRD 1968
Drama, Kurzfilm 23 min.
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Ein «Film-Film» mit dokumentarischer Eingangsfahrt, richtiger Verfolgungsjagd und dem einzigen Mord in den Filmen Straub/Huillets.

Auf Einladung von Fassbinder hatte Straub am Münchner Action-Theater eine stark kondensierte Fassung von Ferdinand Bruckners Theaterstück «Krankheit der Jugend» inszeniert. Davon ausgehend entstand ein Kurzfilm mit einigen Szenen, die Straub in und um München drehte und die die Figuren sozusagen ins Freie weiterführten. Es ist ein «Film-Film» mit dokumentarischer Eingangsfahrt, richtiger Verfolgungsjagd und dem einzigen Mord in den Filmen Straub/Huillets. Und der ist ein ungeheurer und zärtlicher Befreiungsakt. Es beginnt wie ein Roman von Pavese. Nur noch lyrischer und noch hoffnungsloser (wenn das überhaupt möglich ist). Dann kommt die kleine Inszenierung, und deshalb wollte ich diesen Film wiedersehen, wegen dieser kleinen Inszenierung, die der Inszenierung in meinem Film Le Révélateur gleicht. Jean-Marie Straub war 1968 in München, um diesen Film zu drehen. Ich war in München wegen Le Révélateur, den ich 1968 drehte. Wir filmten dieselbe Szene, eine Darstellung dessen, was es bedeutet, auf einer Bühne zu leben, am anderen Ende eines Zuschauerraums, auf einem kleinen Podium, in Deutschland. Auf dieser Bühne filmt Straub zuerst zwei junge Frauen. Dann tritt Fassbinder auf. Und an dieser Stelle muß ich erwähnen, daß das Wiedersehen mit dem Phantom Fassbinders auf der schwarzweißen Leinwand mir einen Schlag in die Magengrube versetzte. Fassbinder, den ich Anfang der siebziger Jahre in Rotterdam gesehen hatte, der ein Held des Kinos ist, dem es gelang, innerhalb weniger Jahre ein Werk, bestehend aus einer beträchtlichen Anzahl von Filmen, zu schaffen, Fassbinder, der sich während dieser Jahre in eine wahre Filmproduktionsmaschine verwandelte, bis der Tod ihn am Ende seiner Jugend hinwegraffte. Ich kam einfach nicht hinter das Geheimnis von Fassbinders Arbeitstempo. Voilà. Fassbinder ist auf der Leinwand und spielt den Zuhälter der beiden Frauen, danach verlassen wir das kleine Theater. In München, bei Nacht, in Schwarzweiß wird ein Mann von Fassbinder verfolgt, ein Schwarzer, es gelingt ihm zu entkommen. ... (Philippe Garrel)

(Text: Viennale 2004)

Details

Lilith Ungerer (Marie/Lilith), Rainer Werner Fassbinder (Freder/der Zuhälter), James Powell (James), Peer Raben (Alt/Willi), Irm Hermann (Desirée), Kristin Peterson (Irene), Hanna Schygulla (Lucy)
Daniele Huillet, Jean-Marie Straub
J. S. Bach
Klaus Schilling, Hubs Hagen
Jean-Marie Straub, Danièle Huillet

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