Der irrationale Rest

 D 2005
Drama 95 min.
film.at poster

Suse, ihr Freund Matthias und ihre Freundin Susanne leben, gerade zwanzig Jahre alt geworden, in der DDR. Das Leben der drei wird brutal unterbrochen, als Matthias mit Susanne aus dem Land zu fliehen versucht. Doch die Flucht scheitert: Matthias und Susanne werden inhaftiert, Suse bleibt allein zurück. Erst 16 Jahre später sind die drei bereit, einander wieder zu sehen. So eng sie damals zusammenlebten, so weit haben sie sich voneinander entfernt: Matthias, den die Ereignisse nie losgelassen haben, führt Besuchergruppen durch das Gefängnis, in dem sie inhaftiert waren. Susanne, die mit der eigenen Vergangenheit nie mehr konfrontiert werden wollte, arbeitet als Krankenschwester im Westen Berlins. Suse lebt als Einzige noch immer in Pankow heute mit ihrem Mann und ihren drei Kindern. Thorsten Trimpop begleitet sie an die Orte der Vergangenheit zurück. Der Film zeigt, wie Matthias und Susanne den Grenzwald zu Tschechien noch einmal durchstreifen, wie Susanne in ihrer Gefängniszelle von damals steht; wie die drei langsam die Vergangenheit in ihre inzwischen so unterschiedlichen Leben zurückholen und wie schmerzhaft die Erinnerung auch nach 20 Jahren ist. Und zeigt, wie aus Liebe und Freundschaft tiefes Misstrauen wurde. Ich habe den Film gemacht, um etwas zu verstehen, was ich nicht wirklich fassen konnte und was man auch nicht über Sprache herausbekommen kann, sondern nur über Film. Film ist das einzige Medium, um diese Geschichte zu erzählen. Ich hatte die Dreharbeiten mit der Hoffnung begonnen, dass die drei in irgendeiner Weise wieder zusammenfinden, Erleichterung erfahren würden und eine neue Begegnung möglich sein könnte. Der irrationale Rest ist das, was sich in die Seelen der Menschen einbrennt, sie nicht zu Ruhe kommen lässt, weil es nicht mit dem Verstand zu erfassen ist. (Thorsten Trimpop)

(Text: Viennale 2005)

Details

Matthias Melster, Susanne Stochay, Susanne (Suse) Lautenschläger-Leyh
Thorsten Trimpop
Michael Jakumeit
Hanno Moritz Kunow
Thorsten Trimpop

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken


  • TIPP
    Geschichten über die ehemalige DDR - ob dokumentarisch oder im Spielfilm
    - liegen in einem gewissen Maße im Trend. Die Wiedervereinigung ist noch
    nicht verkraftet, die geschichtliche Aufarbeitung noch im Gang. Ich
    hatte den Fall der Mauer damals fasziniert beobachtet, war dann nicht
    lange danach in Berlin und konnte beobachten, wie die Mauer-Graffittis
    Stück für Stück als Souvenier verhökert wurden. Immer schon fand ich
    aber, dass nach wie vor zuwenig über die Schicksale und Lebensumstände der Menschen vor dem Mauerfall bekannt geworden ist (wer wusste bei uns vor "Goodbye, Lenin" schon, was Spreewaldgurken sind?).
    Aus diesem Grund interessiert mich dieser Streifen speziell.