Der Mann, der sich verkauft

D, 1925

Drama

Min.76

Der Millionär Jan Bracca hat sich mit der zwielichtigen Schauspielerin Marion de l'Orme eingelassen. Seine Frau Daisy (Nora Gregor) ist da sehr im Wege, weil sie der Scheidung nicht zustimmt; und so bringt Marion ihren Liebhaber mit Achim von Wehrstädt, einem alten Bekannten von ebenfalls zweifelhafter Reputation, zusammen. Vertraglich wird vereinbart, dass Achim Daisy zum Ehebruch verführen soll. Der gekaufte Mann macht sich an die Frau heran, findet sich aber so tief von ihr beeindruckt, dass er sich, mehr und mehr verliebt, nicht zu der Untat zu überwinden vermag. In derselben Nacht, in der Achim den sittenwidrigen Vertrag aufzukündigen versucht, wird Bracca erschossen. Alle Indizien deuten auf Achim als Täter hin. In seiner Verfilmung eines populären Fortsetzungsromans der «Berliner Morgenpost» meidet Hans Steinhoff den im Stummfilm gängigen Pathos und erzählt die spannende Story so sachlich wie zügig. Die Charaktere sind nicht auf psychologische Tiefe hin angelegt, wirken aber durchaus glaubhaft. Nora Gregor in der Rolle der von ihrem Gatten schnöde ignorierten, distinguierten Ehefrau hat in keinem ihrer frühen Filme besser ausgesehen; Hans Mierendorff verkörpert den berechnenden, älteren Ehemann als einen mit Spekulationsgeschäften aufgestiegenen Neureichen, der glaubt, mit Geld jede(n) kaufen und Ehefrau wie Geliebte als austauschbare Waren behandeln zu können. Im Gegensatz zur Rolle von Vivian Gibson als Marion de l'Orme (Typus «Gold Digger») vermag der zum Gigolo degradierte Adlige Achim (mit Olaf Fjord gut besetzt) nicht, sich zu prostituieren. Im Zentrum des Films steht derart ein depotenzierter Mann der Weimarer Republik, an dem die Krise konservativer Männlichkeits-Konzepte evident wird. Es obliegt der generös verzeihenden Daisy, ihm am Ende das verlorene Ehrgefühl zurückzugeben.

(Text: Viennale 2008)

  • Regie:Hans Steinhoff

  • Kamera:Alfred Hansen

  • Autor:Max Glaß, Hans Steinhoff nach dem gleichnamigen Roman der «Berliner Morgenpost» von Hans Schulze

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