Der Pate II

 USA 1974

The Godfather II

Krimi 200 min.
9.00
Der Pate II

Weniger eine Fortsetzung als eine Erweiterung des ersten Teils.

In langen Rückblenden erfahren wir vom Schicksal der Corleones in Sizilien und von Vitos Aufstieg in New York, während sich Michael gegen Verrat innerhalb der eigenen Familie und den jüdischen Gangsterboss Hyman Roth behauptet. Das System beginnt zu zerfallen: die neu Angeheirateten können kein Italienisch, die Kapelle kennt die alten Lieder nicht mehr, jedes Fest führt zu Streitigkeiten - und die Frauen wollen sich nicht mehr in ihre angestammten Rollen fügen.
Länge: 200 Min.

Details

Al Pacino, Robert Duvall, Diane Keaton, Robert De Niro, John Cazale ua.
Francis Ford Coppola
Carmine Coppola, Nino Rota ua.
Gordon Willis
Francis Ford Coppola, Mario Puzo

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken


  • Der Pate II ist für mich deshalb so überzeugend, weil Autor Mario Puzo und Regisseur Coppola intensiv recherchiert haben müssen. Man bekommt ein Stück Geschichte Amerikas zu sehen - das Leben italienischer Einwanderer, das ganze soziokulturelle Umfeld, die Gründe und Motive für den Aufstieg zum Mafia-Boß, für die Verstrickung in gewinnbringende Verbrechen werden hier glaubhaft und eindrucksvoll und vor allem nüchtern geschildert - verkörpert in der Person des Vito Corleone. In den meisterhaft inszenierten parallelen Handlungssträngen einerseits vom Aufstieg des jungen Vito Corleone (Robert de Niro) und andererseits seines Sohnes Michael Corleone, der alles das fortsetzen will, was sein Vater geschaffen hat, werden vor allem die Werte wie Familie, Loyalität, der Umgang mit "Klienten", mit Freunden und Feinden, der ständige Konkurrenzdruck der Mafia-Verbände und deren permanente Konzentration auf neue lohnende "Verbrechensfelder" (die gleichzeitig soziologische Veränderungen in Amerika präsentieren wie das Aufblühen des Drogenhandels oder politische Entwicklungen wie die Kuba-Krise) und deren soziale Struktur deutlich. Wie eine Dynastie aus den griechischen Tragödien oder den Shakespeare-Stücken wirkt diese grandiose Familien-Saga (die eben mehr als ein Gangsterfilm ist). Und so bleibt eine faszinierende Ambivalenz gegenüber dem Charakter Michael Corleone, der einerseits ein treusorgender Familienvater ist und andererseits seine Machtstellung mit äußerster Brutalität und gewiefter Taktik aufrechterhalten muß - diese zwei Gesichter Michaels können auf Dauer den Veränderungen in der Mafia-Struktur nicht standhalten. In einem korrupten System, wo jeder versucht, jeden zu kaufen, wo Eifersucht und Zurückgesetztsein (Michaels Bruder Fredo) die engsten Familienmitglieder zum "Verrat" treiben, wo die Liebe von Michaels Frau Kays von der ständig wachsenden Erkenntnis über das Ausmaß der Corleone-Verbrechen zerstört wird, löst sich das System von innen auf, indem gerade der hochgehaltene Familienverband immer mehr zerstört wird. Zurück bleibt in einem der faszinierendsten Schlußbilder der Filmgeschichte ein auf dem Höhepunkt seiner Macht einsamer Michael Corleone: äußerlich hat er alles gewonnen, aber wir blicken in seine leeren, seelenlosen Augen, in ein ausgebranntes Gesicht, daß Selbstzweifel, Einsamkeit und vielleicht auch Reue widerspiegelt - bestimmt aber das Bewußtsein, Freunde und Familienmitglieder auf dem Gewissen zu haben, ein sehr hoher Preis der Macht. Die Ambivalenz, das ständige Chargieren zwischen Sympathie und Anteilnahme für die Corleone-Familie und Abscheu vor den vor allem im ersten Teil detailliert gezeigten blutigen Morde rührt daher, daß die Corleones ihr Verbrechersyndikat wie hochangesehene Geschäftsleute betreiben, sie unterscheiden sich in ihrem Auftreten nicht von Managern oder Ölmagnaten. Wenn wir überhaupt mit einer Figur sympathisieren können, dann ist es Tom Hagen. Einerseits, weil er als Rechtsberater und "Verhandlungsführer" sich nie die Hände schmutzig macht, andererseits weil gerade er als aufgelesenes Waisenkind deutlich macht, was Familie bedeutet. Und er - der treueste und loyalste von allen - macht Michael als Erster darauf aufmerksam, daß er auf dem falschen Weg ist
    Diese Zusammenhänge, das komplizierte Familiengeflecht, die vielen Mafioso-Verbindungen und die soziologischen Ursprünge, so fesselnd und überschaubar gemacht zu haben, ist der Verdienst von Coppola und Puzo, die eines der besten Drehbücher der Filmgeschichte geschrieben haben - und vielleicht das beste Sequel der Kinogeschichte dazu, denn in seiner Dichte und Dramatik sowie der raffinierten Erzählstruktur übertrifft "Der Pate II" noch den ersten Teil. Die erstklassige Besetzung tut das Übrige, und ich entdecke beim mehrmaligen Anschauen immer mehr. Wer sich darauf einläßt, wird sich auch angesichts der Länge keine Minute langweilen.