Der Sohn

Le fils

2002

Drama

Der Tischler Olivier nimmt einen ehemaligen Mörder in die Lehre.

Min.93

Start07.02.2003

Jean-Pierre und Luc Dardenne folgen gleich zwei lebendigen Toten. Da ist der Lehrling Francis, der mit elf Jahren ein Kind umgebracht hat und dafür fünf Jahre weggeschlossen wurde und da ist der Vater des ermordeten Jungen, der Tischler Olivier. Olivier nimmt Francis, ohne dass der ihn erkennt, in seinen Lehrgang auf: um sich zu rächen? Oder um sich und diesen verlorenen Kerl zurückzukatapultieren in so etwas wie Leben? (Jan Schulz-Ojala)

«Wie weit ist es von Ihrem Fuß bis zu dem Autoreifen?», fragt der Junge. «Drei Meter zwölf», entgegnet der Mann. Der Junge nimmt seinen Zollstock, misst nach. «Drei Meter elf», sagt er. Le fils, der neue Film der belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, erzählt von der durch ein Ereignis in der Vergangenheit belasteten Begegnung zwischen dem Tischlermeister eines Ausbildungszentrums und einem 16-jährigen Lehrling, der aus dem Gefängnis entlassen worden ist. Der Zollstock ist ihr wichtigstes Handwerkszeug; zugleich Metapher für die Arbeitsweise des Brüderpaars.

«Wir versuchen, das Verhältnis von Figuren möglichst exakt zu vermessen: Es ist ihr Abstand, der ihre Haltung zueinander widerspiegelt», so die Brüder Dardenne. Und tatsächlich ist Le fils Kino von höchster Präzision. Wie schon der Vorgänger Rosetta mit eng anliegender, enorm beweglicher Handkamera gefilmt, zeichnet Le fils das minuziöse Abbild einer bestimmten Art zu arbeiten, zu leben, zu denken und kreuzt diesen verdichteten Realismus mit einem moralischen Dilemma. Die Brüder Dardenne sind im derzeitigen Kino die Erben des großen Neorealisten Roberto Rossellini. Uneitel suchen sie die Intensität im Alltag, dort, wo sie ihn am besten kennen: in den Lebenswelten der Arbeiterklasse nahe ihrer Heimatstadt Liège. (Christoph Huber)

  • Regie:Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne

  • Kamera:Alain Marcoen

  • Autor:Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne

  • Verleih:Stadtkino Filmverleih

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