Diário de Sintra / Days In Sintra

 Brasilien/Portugal 2007
Independent 90 min.
film.at poster

Die Filmemacherin Paula Gaitán war mit Glauber Rocha (1938-1981) verheiratet, jenem zentralen Protagonisten der brasilianischen Bewegung des Cinema Novo, die in den 50er und 60er Jahren politisch engagiertes Filmemachen verkörperte und sich dem Kolonialismus in Lateinamerika widersetzte. Mit Diário de Sintra hat Gaitán nun eine ergreifende Meditation über Erinnerung und Zeit geschaffen, indem sie ihre Rückkehr aus Brasilien nach Sintra in Portugal, wo sie mit ihrem Mann und ihren Kindern vor seinem frühzeitigen Tod im Exil lebte, schildert. In Form einer experimentellen Erzählung verwebt sie Super-8-Archivmaterial und Fotos, die im letzten Lebensjahr von Rocha aufgenommen wurden, mit wunderschön arrangierten, evokativen, zeitgenössischen Bildern der portugiesischen Landschaft. Auf diese Art und Weise verknüpft Gaitán - Vergangenheit und Gegenwart verbindend - Orte und wirft zugleich ein Schlaglicht auf die Erinnerung. Über lange, stille Passagen meditiert sie mit ihrer eigenen Stimme über Verlust und Tod, zu hören sind aber auch Tonbandaufnahmen Rochas, der seine Philosophie über Leben, Politik und Filmemachen zum Ausdruck bringt. So spiegelt Diário de Sintra Gaitáns eigene Entdeckungsreise wider, die ihr erlaubt, die physischen, sinnlichen und selbst spirituellen Wesenszüge ihres lang verstorbenen Begleiters zum Leben zu erwecken. Auf einer tieferen Ebene hält die Filmemacherin zugleich die schwermütige Atmosphäre der portugiesischen Nation fest: Das stolze Land, das die Entdeckungsreisen des 15. Jahrhunderts startete, sah seine Vormachtstellung mit der Zeit langsam abnehmen - ebenso wie Rochas preisgekrönte Independentfilmarbeit zu einer schwachen Erinnerung verblasste -, bis sie, zu Recht, von seiner Begleiterin in diesem exquisiten Filmtagebuch wieder belebt wurde. (Jon Gartenberg)

(Text: Viennale 2008)

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Paula Gaitan
Paula Gaitán, Daniel Paiva
Paula Gaitán, Pedro Urano
Paula Gaitán

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