"Die Unfassbaren 2": ‚Harry Potter‘ als zahmer Psychopath

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Im ersten Teil des zauberhaften aber ziemlich kompliziert ausgetüftelten Krimis musste sich Arthur Tressler  (Michael Caine) von den trickreichen Illusionisten reinlegen lassen. Das kann der Egomane natürlich nicht hinnehmen und sinnt auf Rache. Außerdem sitzt auch noch der ganz schön gelinkte Thaddeus Bradley (Morgan Freeman) hinter Gittern und erweckt ebenfalls einen sehr nachtragenden Eindruck. Was liegt also näher, sich an einen Mann zu wenden, der zwangsläufig etwas von Magie verstehen muss?  Darum wird der Gegenspieler unserer Top-Zauberer diesmal von keinem Geringeren als Daniel Radcliffe verkörpert. Na bitte, warum nicht gleich so? Allerdings klingt die Idee wesentlich aufregender, als sie dann tatsächlich umgesetzt wurde: Radcliffe gibt sich zwar alle Mühe, die Verwandlung  in einen  stichelbärtigen Psychopathen zu vollziehen, wirkt aber stets viel zu harmlos und wohlerzogen, um wirklich jemandem Angst einzujagen.

Magier ohne Assistenz

Die Unfassbaren müssen jedenfalls  unter verschärften Bedingungen erneut zeigen, welche Tricks sie auf Lager haben und sind dabei – trotz  ständiger Beobachtung durch den Magier-Geheimbund „Das Auge“  -  zunächst auf sich allein gestellt:  mit der Tarnung ihres heimlichen Beschützers  Dylan Rhodes (Mark Ruffalo) ist es nicht mehr weit her, denn  seine FBI-Kollegen beargwöhnen ihn bereits heftig. Diese Figur hat überhaupt stark an Interesse eingebüßt, seitdem uns ihre wahre Identität bekannt ist. Rhodes darf sich nun hemmungslos seinen quälenden  Erinnerungen an den verunfallten Zauberer-Vater hingeben und entwickelt einen regelrechten Safe-Komplex.

Übrigens hätten sich die „Die vier Reiter“ beinahe um eine Ziffer zurückstufen müssen, weil ihnen das weibliche Teammitglied Henley abhandengekommen ist, da Ishla Fisher für diese  Rolle nicht mehr zur Verfügung stand. (Vielleicht hatte sie ja Angst, bei den Dreharbeiten erneut in Lebensgefahr zu geraten - 2013 wäre sie bei einer Szene im Wassertank fast ertrunken.) An ihrer Stelle ist nun Lizzy Caplan  eingesprungen und spielt den magischen Neuzugang Lula mit einem Faible für vorgetäuschte Selbstverstümmelungen.

Zauberei in jeder Lebenslage

Das Leben wird uns  hier als Abfolge  sensationeller  Zaubertricks präsentiert: So entkommen  unsere Helden in einer brenzligen Situation von einem Hausdach durch den Sprung in eine Schuttrutsche, doch am Ende ihres gebremsten Falls landen  sie plötzlich  auf einem ganz anderen Kontinent. Auch als magischer Laie kann man sich aber schnell denken, was da wohl  passiert ist. 

Außerdem wird der Film unter Jon M. Chus Regie  immer mehr zu einer Art „Mission Impossible“ mit  Magiern: so sind die Vier  gezwungen, in einer Hochsicherheitsumgebung  einen Coup durchzuziehen und als sie dabei eine Leibesvisitation über sich ergehen lassen müssen, spielen sie einander mit ihren  superflinken Fingern geschickt den gesuchten Gegenstand zu.

Man kann nie sicher sein, wer nun eigentlich auf wessen Seite steht und wer gerade wen an der Nase herumführt. Nach all den Überraschungen ist es eigentlich das größte Wunder, dass die Beteiligten noch selber wissen, wer sie eigentlich sind. Zumindest einen von ihnen sieht man sogar doppelt; doch sobald ein Drehbuchautor  glaubt, den Zwillingsbruder einer der Hauptfiguren hervorzaubern zu müssen, ist das ein sehr schlechtes Zeichen, weil es auf Ideenmangel schließen lässt.

6 von 10 gezinkten Karten.

franco schedl

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