Die fetten Jahre sind vorbei

 D/A 2004
Drama 26.11.2004 124 min.
7.50
Die fetten Jahre sind vorbei

Ein Berliner WG-Trio stört mit subversiven Aktionen die Hochsicherheitszonen der Reichen und entführt dabei unfreiwillig einen Industriellen.

Die Story von Die fetten Jahre sind vorbe ist wie ein Puzzle der politischen Bewegungen seit den 1970er Jahren, der Baader-Meinhof-Gruppe, der Hausbesetzer und Autonomen und der Globalisierungsgegner dieser Tage. Weingartner findet ein neues Zeitgefühl, das aktionistischer und verspielter ist. Nach ein bisschen antikapitalistischem Spass gerät das Berliner WG-Trio Jan, Jule und Peter so richtig ins Schlamassel. Die unfreiwillige Entführung eines Industriellen endet im Beziehungschaos, und die Idee der Politik gerät mit der Politik der Gefühle auf gefährlichen Crash-Kurs. Weingartners Film setzt auf subtile Weise an jenem Punkt an, an dem sich die Anti-Globalisierungsbewegung momentan befindet: Sie hat Aufsehen erregt, ist eine politische Kraft geworden, aber tatsächlich ändern kann sie nichts. Das ist, wie nach dem Mai 1968, jene Wasserscheide, an dem sich die Frage nach der Legitimität und (Un-)Vermeidlichkeit von Gewalt stellt. Baader, Meinhof & Co. haben sie damals bejaht, Jan, Jule und Peter sind weil viel weniger politisiert in ihren Überlegungen noch nicht so weit. (Hans-Georg Rodek) Die Vorbilder von Die fetten Jahre sind vorbei reichen von Dominik Grafs Spieler über Fassbinders Die Dritte Generation bis zu Godards Außenseiterbande. Es geht um den Kampf gegen Ausbeutung und soziale Ungleichheit, aber es geht auch, wie immer bei Dreierkonstellationen, um die Frage, wer das Mädchen kriegt. Doch wo Godards und Fassbinders Rebellen zur Waffe greifen, ziehen sich Weingartners Weltverbesserer mit ihrem Opfer in eine Almhütte zurück, um erst einmal den Kopf frei zu bekommen, was natürlich nicht gelingt. Stattdessen erfahren die drei, dass auch der Entführte Hardenberg in Wahrheit ein linkes Herz hat. (Andreas Kilb)

(Text: Viennale 2004)

Altersempfehlung: ab 14

Details

Daniel Brühl (Jan), JuliaJentsch (Jule), Stipe Erceg (Peter), Burghart Klaußner (Hardenberg)
Hans Weingartner
Andreas Wodraschke
Matthias Schellenberg, Daniela Knapp
Katharina Held, Hans Weingartner
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Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • sehr bewegend
    ich finde den Film brilliant: er bewegt, bringt einem zum Nachdenken, schneidet viele Themen an, ohne eine Lösung zu bieten, ohne in Gut und Böse einzuteilen, sondern er zeigt uns, es gibt keine Lösung...lediglich verschiedene Lebenseinstellungen. Jeder versucht, das Seine durchzubringen, mit all den Implikationen die dabei passieren können!
    Dazu kommen tolle Schauspieler und ein super Soundtrack!
    Unbedingt anschauen!!

  • test
    wo kann man eigentlich alle einträge zum film lesen, diese eine erste? kann wohl nicht alles sein, was film.at hier als plattform anbietet. und übrigens der film ist extrem sehenswert, weil hirnschmalz vor muskelanabolika, herzensstärke vor schwindlichem schmähgeplapper...

    one eye
    mich wunderts auch und ich finds schade, auf der d-homepage des films kann man den regen austausch nachlesen, und das ist voll spannend. leider hat weder der ö-verleih noch film.at diese plattform, dabei bin ich mir sicher, daß in ö auch über das weltgeschehen nachgedacht wird, oder?. wurscht, mir taugt der film, und ich sags gleich, ich bin kein filmfreakzombie, aber er hat mich einfach sehr bewegt, soviele dinge auszusprechen, die sonst so im sand zwischen vorlesungen und bierpausen vereppen. nicht mal das zeitungslesen kann da mehr helfen, weil die medien eh nur noch an sich selbst interessiert sind, also wo bitte noch kann sich meine hungrige seele ohne zynismus nähren? erstaunlich, daß das mit einem film möglich ist, so witzig, so ernst, so lebgendig, auch wenn ich nicht unbedingt alles so tun würde, aber ich richte ja nicht über den film, das tun andere und zu recht lassen wir mal dahin gestellt, wir leben ja immer anonymer und schlitern sehr deutlich in eine postdenunzianten zeit, und zwar die eigenen gefühle verleugnend zum preis der meinungsherrschaft-aber der film will diskutieren, wer kann das heute noch, zuhören-argumenete vertiefen-nachfragen-alles was man sonst so im leben sieht sind notorische spaßignorante jasager und verzweifelte zynische verweigerer-und wo bitte darf ich mein zelt aufschlagen und den diebstahl meines lebens beklagen????

  • Ganz nett...
    Der Film ist im Prinzip ganz nett und OK, obwohl ein bisschen zu sehr das "Außenseitertum"-Image breitgetreten wird. Fraglich ist auch die Zielgruppe für den Film. Jugendliche? Sind wahrscheinlich zu jung und zu brav um so ein Ding wie im Film durchzuziehen. Yuppies und "gemachte Leute"? Halten den Film für einen artifiziell provokanten Teenie-Film und verweigern ihn. Tja, und der Rest dazwischen sieht halt ein Stückchen "Filmillusion".

    Die Schauspieler sind nett, sympathisch und machen ihre Sache gut (Daniel Brühl super) und die Filmaufmachung an sich ist sachlich nüchtern, keineswegs bombastisch effekthaschend oder unrealistisch. Die Musik wirkt manchmal unpassend und inhomogen ist aber durchwegs hörbar und erträglich. Schnitt, Kamera, Regie: solide Arbeit.

    Wer seine adoleszente Revoluzzer- oder Hippiezeit nicht 'real life' ausleben kann oder will, bekommt hier die Möglichkeit, anderen dabei zuzusehen (und vielleicht zu begreifen, das die Dinge nicht immer so einfach gestrickt sind, wie sie auf den ersten Blick aussehen). Der Film regt zum "Nachdenken danach" an und das ist ja auch schon was wert...

    (Meine Wertung: 6,5 von 10 Punkte)