Die unbarmherzigen Schwestern

 GB/Irland 2002

The Magdalene Sisters

Drama 11.04.2003 119 min.
7.80
Die unbarmherzigen Schwestern

Der Film erzählt die Geschichten von vier jungen Frauen, die in katholischen Magdalenen-Heimen arbeiten mussten, um dabei ihre Sünden zu bereuen.

Die Magdalenen-Heime in Irland wurden geleitet von den Barmherzigen Schwestern (Sisters of Mercy). Ihr Auftraggeber: die katholische Kirche. Familien und Waisenhäuser schickten dorthin junge Mädchen. Waren sie erst einmal dort, wurden sie eingesperrt und mussten in Wäschereien arbeiten, um dabei ihre Sünden zu bereuen. Diese "Sünden" waren unterschiedlichster Art: Ausreichend war die Tatsache, eine unverheiratete Mutter zu sein oder zu hübsch oder zu hässlich. Zu dumm oder zu schlau. Oder das Mädchen war Opfer einer Vergewaltigung und hatte es gewagt, darüber zu sprechen. Um diese Sünden zu bereuen, arbeiteten die Mädchen 364 Tage im Jahr ohne jeden Lohn, man ließ sie hungern, sie wurden geschlagen, verspottet und vergewaltigt. Und ihre neugeborenen Kinder wurden ihnen weggenommen - wenn es sein musste, mit Gewalt. Ihre Strafe war unbeschränkt - oft lebenslänglich. Tausende von Frauen lebten und starben in diesen Anstalten. Das letzte Magdalenen-Heim in Irland wurde 1996 geschlossen, vor gerade einmal sechs Jahren.

Der Film erzählt die Geschichten von vier dieser jungen Frauen in den 60er-Jahren, einer Zeit, die irrtümlich von vielen Menschen noch immer für eine Ära grenzenloser Frauenbe-freiung gehalten wird. Diese jungen katholischen Frauen finden sich wieder in einem nahezu mittelalterlichen Albtraum, während die Welt draußen stillschweigend einen theokratischen Staat duldet - oder zuweilen auch aktiv unterstützt. Wir sehen, wie sich die Persönlichkeiten dieser Frauen entwickeln in einer Umwelt, die kontrolliert ist von unverheirateten Frauen, Dienerinnen Gottes, Bräuten von Jesus Christus. Soweit es in ihren Kräften steht, lassen sich die Mädchen nicht unterkriegen. Aber was ist das für ein Sieg, wenn sie eingesperrt bleiben und nicht mehr sind als Sklaven? Eine schafft es, auf herzzerreißend banale Weise freizukommen, eine wird in die Psychiatrie eingeliefert, zwei schließlich rebellieren und laufen davon. In die Freiheit.

Peter Mullans Film The Magdalene Sisters erzählt die schockierende, wahre Geschichte tausender Frauen, die aus ihren Familien ausgestoßen und der Gnade der katholischen Kirche überantwortet wurden. Sie waren gebrandmarkt als "gefallene Frauen", obwohl doch ihr Verbrechen meist in nichts anderem bestand als darin, arm zu sein, ein Waisenkind, Opfer einer Vergewaltigung, ein uneheliches Kind zur Welt gebracht zu haben oder als "moralisch bedenklich" zu gelten.

Details

Geraldine McEwan, Anne-Marie Duff, Dorothy Duffy, Eileen Walsh, Nora-Jane Noone
Peter Mullan
Craig Armstrong
Nigel Willoughby
Peter Mullan

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Gefallene Mädchen
    Bisher kannte man Peter Mullan nur von vor der Kamera, hier steht er dahinter (hat allerdings einen kurzen aber eindrucksvollen Auftritt als prügelnder Vater). Mit diesem Film hat der gebürtige Schotte ein Thema aufgegriffen, dass in Irland lange Zeit für Furore gesorgt hatte. Alle wussten davon, aber keiner redete darüber. Sicherlich hat er sich damit bei der katholischen Kirche keine Freunde gemacht. Die Betroffenen - und davon leben immer noch sehr viele - jubelten nicht, sondern vergossen Tränen der Rührung, denn der Film hat die Erinnerungen an all die Demütigungen und menschenverachtenden Exesse in den Magdalene Heimen für ’gefallene Mädchen’ wieder hochkommen lassen. Es waren KZ-ähnliche Zustände, die aus Verbitterung Hass entstehen ließen. Die Realität war noch viel schlimmer als das hier Gezeigte. Man begreift die unglaubliche Macht der katholischen Kirche, die sich auf den tiefen Glauben der Bevölkerung gründet und die nur deswegen ein ungeheuerliches menschliches Drama Jahrzehntelang unangefochten inszenieren konnte. Der deutsche Titel hilft uns. In Irland kennt jeder die Magdalena Schwesternheime. Sehenswert weil immer noch aktuell, filmisch toll umgesetzt und schauspielerisch überzeugend.

  • Papillon hinter Klostermauern
    Spannend und erschütternd. Ein Film, den man sehen sollte. Endlich bekommen die "Kerzerlschlecker" ihr Fett ab. Dabei klagt Regisseur Peter Mullan nie an - er zeigt nur und beschreibt. So intensiv, dass man sich wundert, wie Leute diese "Sekte" - die katholische Kirche - anbeten können.

  • Da juckt was im Anorak
    Mullan zeigt in den Anfangssequenzen, dass er ein fantastisches Gespür für seine Geschichte hat. Ein Leben wird durch ein paar Blicke zerstört. Im Grunde ist es nur ein Internatsfilm/ Gefängnisfilm, dessen Ende und Komplikationen zu erwarten sind, doch der Film berührt. Zu verdanken ist das den Girls, die fast alle Newcomer sind und uns immer ihren inneren Konflikt spüren lassen. Mullan macht so gute Arbeit, dass die Motivationen und Gedanken der Charaktere nur durch Blicke und Gesten zu verstehen sind. Dass religiöse Institutionen Brutstätten für Wahnsinn sind, wusste man eh schon immer. PS: Besonders gefallen hat mir außerdem die Anspielung an Truffaut¿s ¿The 400 Blows¿ zum Schluss.