Die Klasse

 F 2008

Entre les murs

Drama 16.01.2009 128 min.
7.50
Die Klasse

Ein aufwühlender Film über den jungen und ambitionierten Lehrer François, der an einer Pariser Vororte-Schule unterrichtet

Schon seit vielen Jahren hatte Laurent Cantet einen Spielfilm über den Alltag an einer Schule drehen wollen, ohne jedoch eine «dokumentarische Grundlage», wie er es selbst nennt, gefunden zu haben. Das Buch «Entre les murs» von François Bégaudeau, in dem der Autor, ein ehemaliger Lehrer, einen solchen Alltag einer einzelnen Klasse über ein ganzes Schuljahr hinweg erzählt, kam ihm wie gerufen: In dessen Verfilmung begleitet Cantet nun den jungen Französischlehrer François, der eine 7. Klasse in einem sogenannten Problemviertel unterrichtet. Von Bégaudeau und dessen Mitarbeit am Drehbuch begeistert, schlug Cantet dem Autor zudem die Rolle des Lehrers vor. Ganz anders als bei Nicolas Philibert und seinem erfolgreichen Dokumentarfilm Être et avoir (2002) geht es Cantet und Bégaudeau vor allem darum, den schulischen Alltag als eine Welt aufzuzeigen, die auf einen einzigen Raum beschränkt ist und in der Aspekte wie Ungleichheit, Integration, kulturelle und soziale Ausgrenzung zum Tragen kommen. Dank dreier Kameras, einer für den Lehrer, einer für die Schüler und einer für alles Improvisierte, entgeht Entre les murs kein einziges Detail. (Olivier Bombarda) Dieser Film ist ein kleines Wunder: Wir teilen die Lust und die Last an der Sprache, wir wechseln zwischen dem Lehrer und seinen Schülern ständig die Seiten. Nie passiert in Entre les murs etwas Spektakuläres, nie wirkt der Film falsch oder überzogen - und doch ist er ungemein amüsant und tief bewegend. Nie sieht man den Lehrer zu Hause, nie etwas trinken, essen oder beim Sex. Einmal raucht er, da fordert ihn eine Reinigungsfrau sofort auf, seine Zigarette zu löschen. (Lars-Olav Beier) Vor dem Eröffnungsfilm wird auch der diesjährige Trailer Une catastrophe gezeigt.

(Text: Viennale 2008)

Details

François Bégaudeau, Nassim Amrabt, Laura Baquela, Cherif Bounaïdja Rachedi, Juliette Demaille, Dalla Doucoure, Arthur Fogel, Damien Gomes
Laurent Cantet
Pierre Milon, Catherine Pujol, Georgi Lazarevski
Laurent Cantet, François Bégaudeau, Robin Campillo nach «Entre les murs» von François Bégaudeau
Polyfilm

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Zwischen diesen Mauern
    Es ist eine Dokumentation des Schulalltags, detailgenau und realistisch. Man fragt sich allerdings, für welche Zielgruppe ist der Film gedacht. Demonstrationsobjekt bei einer Lehrerfortbildung oder im Rahmen der Referendarausbildung? Jeder hat einschlägige Erfahrungen mit dieser Institution und kann mitreden, sich ein Urteil bilden, ob es bei ihm auch so oder so ähnlich war. Vor allem die äußerst problematische Lage der Lehrkräfte wird ungeschönt und keineswegs übertrieben dargestellt. Das reicht vom Burn-Out bis zur Grenze der Lächerlichkeit aufgrund von zu viel Verständnis.
    Die dramatische Zuspitzung erfährt der Film im letzten Drittel erst durch die Tatsache, dass die Schüler fast alle aus bildungsfernen mit Migrationshintergrund belasteten Familien stammen. Bei einem Verhaltensauffälligen würde ein Verweis von der Schule die zwangsläufige Rückkehr nach Afrika bedeuten. Diese Problematik wird lang und breit im Kollegium diskutiert und dann entschieden. Ohne Kommentar. Aus der Argumentation ergibt sich ein Mittelweg der Vernunft für ein typisches Phänomen unserer Zeit, nicht nur in Frankreich, aber hier vielleicht besonders brisant. Der Schüleraggression mit Störfaktor wird teils mit Verständnis teils aber auch mit Beachtung der sozialen Spielregeln begegnet. Insider werden weitgehend zustimmen, andere haben schon längst weggezappt.

  • ratlos
    Nach dem Film habe ich mir lange überlegt, was er soll.

    Ich glaube Schulalltag wie in den meisten Großstädten. Vielleicht etwas mehr afrikanische Kultur, weil es eben in Frankreich spielt. Aber worin liegt der Sinn?? Doku? Wie schwer es ist Lehrer zu sein? Wie outdated unser Schulsystem ist? Wo ist die Pointe?

    Erst nach einer ganzen Zeit kam mir ein Gedanke: Erst als der Gewaltinitiator wegoperiert worden war, kam es zu Entspannung. Soll der Film zeigen, wie verkehrt wir mit Gewalt umgehen? Wie daneben übliches Engagement ist? Bin ich mir immer noch nicht wirklich klar.

    Würde mich über andere Kommentare freuen.


  • Jeder, der "Ressources humaines" von Laurent Cantet gesehen und geschätzt hat (lief vor Jahren bei der Viennale), sollte den aktuellen Film des Regisseurs ebenfalls nicht verpassen.

    Besonderer Kunstgriff diesmal: Der Lehrer, von dem die Buchvorlage stammt, spielt sich gleich selbst, seine Schüler ebenfalls, und sowohl er als auch sie handhaben dabei je eine der insgesamt drei Kameras. Interessantes Experiment.