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Filmkritiken
10/24/2017

"Fack ju Göhte 3": Crashkurs zur Maturareife

Der unkonventionelle Lehrer Zeki Müller muss im Abschlussteil der Trilogie dafür sorgen, dass seine problematischen Schützlinge die Matura schaffen.

Und wenn man noch so oft sitzengeblieben ist – irgendwann steht sie halt doch bevor, die Matura. Chantal, Danger und all die anderen bereits bekannten Geistesriesen aus der Goethe-Gesamtschule befinden sich in eben dieser Lage. Zwar genießt die Schule den zweifelhaften Ruf, dass dort selbst die größten Schwachmaten einen Abschluss schaffen, doch leider wird vom Bildungsministerium gerade eine ‚Aktion Scharf‘ durchgeführt und die Problemkinder müssen nun sogar einen Test ablegen, um herauszufinden, ob sie überhaupt zum Abi antreten dürfen.

Verborgene Talente

Die späteren Berufsaussichten wirken obendrein extrem demotivierend, doch der unkonventionelle Lehrer Zeki Müller wird schon dafür sorgen, dass die Trilogie zu einem befriedigenden oder genügenden Ende kommt (ein gutes oder sehr gutes ist ja wohl kaum zu erwarten). Müller hat nämlich immer neue Ideen, um seine schwänzfreudigen Rabauken zu motivieren und bringt auch noch das größere Kunststück fertig, ungeahnte Talente in ihnen zu wecken.

Komödiantisches Erfolgsrezept

Regisseur und Autor Bora Dagtekin bleibt seinem bewährten Erfolgsrezept treu und inszeniert mit seinen spielfreudigen Darstellern erneut ein ausgelassenes Treiben über das eher traurige Thema der Bildungsmisere. Seine Stärke liegt vor allem darin, dass er die Komödie ernst nimmt auch noch kleinste Nebenrollen mit zutiefst glaubwürdigen Darstellern besetzt: so wird etwa der Auftritt von Chantals Crack-Mutter – einer vom Leben mitgenommenen Kneipenwirtin – zu einem kleinen Höhepunkt des Film.

Starkes Frauentrio

Katja Riemann sorgt als schnodderige Direktorin wieder für vergnügliche Momente, und Uschi Glas erträgt mit erstaunlicher Geduld die pausenlosen Anspielungen auf ihr Alter. Es gibt aber auch einen wichtigen Neuzugang im Lehrkörper: bedauerlicherweise hat Sandra Hüller erst im letzten Teil an die Goethe-Gesamtschule gewechselt - dass sie eine sensationelle Schauspielerin ist, wissen wir ja spätestens seit „Toni Erdmann“, aber nun ist klar, dass in ihr auch eine begnadete Pädagogin steckt.

Derbe Späße und ernste Themen

Das Drehbuch lässt sich derbe Streiche und einen Zäpfchenwitz aus der Analsphäre natürlich nicht entgehen, kann aber, falls nötig, durchaus todernst werden: etwa wenn es um Mobbing geht oder Chantal von zwei unglücklichen Mädchen zu einem Trip Richtung Hades überredet wird - und das auch noch OK findet, weil sie glaubt, hinter dem Wort verbirgt sich eine bulgarische Ferienstadt (an einer solchen Bildungslücke hat zweifellos auch die Maturareife nichts geändert).

8 von 10 tintenkillerfesten Abschlusspunkten

franco schedl

Im Abschlussteil der Trilogie wird sich Sandra Hüller („Toni Erdmann“) als schlagfertige Pädagogin an der Seite von Elyas M’Barek mit den Problemkindern der Goethe-Gesamtschule herumärgern.