Fay Grim

 D/USA 2006
Drama 22.05.2009 118 min.
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Fay Grim, alleinerziehende Mutter aus Woodside, Queens, setzt alles daran, dass ihr Sohn Ned nicht auf die schiefe Bahn gerät.

Fay Grim, alleinerziehende Mutter, setzt alles daran, dass ihr 14-jähriger Sohn nicht so werde wie sein Vater Henry. Dieser hat vor sieben Jahren unbeabsichtigt einen Nachbarn getötet und ist spurlos untergetaucht. Dafür muss nun Fays Bruder Simon eine Gefängnisstrafe absitzen, weil er für die Beihilfe zu Henrys Flucht verurteilt wurde. Als Simon sich mit hinterlassenen Schriften seines Schwagers befasst, kommt er zu dem Ergebnis, dass diese voller verschlüsselter, politischer Informationen stecken. Zur selben Zeit wird Fay von der CIA kontaktiert: Es geht um Henrys Notizen. Hal Hartley beschreibt in seiner Fortsetzung von Henry Fool (1998) das abenteuerliche Leben von Fay Grim, die verzweifelt nach ihrem Mann sucht, obwohl sie ihn im Grunde keine Sekunde sehen will. Hartley spielt mit allen Registern der Paranoia, mit der Obsession, dass eine gefährliche Wahrheit hinter der banalen Wirklichkeit steckt, und stellt damit nach langer Abwesenheit im Kinogeschäft seine filmische Umsetzung des 9/11-Traumas vor. Überraschenderweise geschieht dies unter den Vorzeichen der Komödie und eines absurden Humors. Wie meint Jeff Goldblum als weltgewandter CIA-Agent: «The world is a mess.» (Delphine Valloire) Die ganze Welt von heute in ihrem Irrsinn begegnet einem in diesem Film, aber sie ist neu zusammengebaut aus Worten, welche den Figuren, die Hal Hartley virtuos durch seine schräg gelegten Bilder choreografiert, aus den Mündern purzeln. Keine Natürlichkeitsprätentionen, keine Menschen aus Fleisch und Blut. Und doch agieren sie mit großer Präzision in einem Spiel, dessen Regeln wir nicht wirklich durchschauen. Es ist eine geschlossene, total unwirkliche Welt, die randvoll ist mit Stücken und Teilen einer nicht komplett umgearbeiteten Realität von heute. (Ekkehard Knörer)

(Text: Viennale 2007)

Details

Parker Posey, Jeff Goldblum, James Urbaniak, Saffron Burrows, Sibel Kekilli und Nikolai Kinski u.a.
Hal Hartley
Hal Hartley
Sarah Cawley
Hal Hartley
POOOL Filmverleih

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • geheimtip

    zumindest mit "fay grim" hat hal hartley das vorhaben und versprechen eingelöst, das uns quentin tarantino schon so oft gegeben hat und an dessen scheitern auch pulp fiction oder jackie brown nichts ändern können: intelligenter trash, der die zuseher nicht für dumm verkauft, sondern ihnen das seltene erlebnis im kinosaal schenkt, wirklich intelligent und noch dazu spannend unterhalten zu werden.
    in die postmoderne trash-waschmaschiene unseres popkulturellen gedächtnisses wirft hartley alle möglichen und verschieden farbigen stücke alltagskultur und wäscht sie nicht mit den tarantinoschen 90 grad plus sondern eine spur kühler. mit dem ergebnis, dass da ein film entstanden ist, hochspannend und gscheit und mit figuren, die mir auch noch nach dem ende des films immer noch in kopf und herz bleiben. und wer einmal einen echten lustig ( im sinne von humorvoll und weniger brachialschenkelmäßig) sehen will - ab ins kino.