© Twentieth Century Fox

Filmkritik
02/13/2019

"Alita: Battle Angel": Weichherzige und hochgefährliche 1-Frauen-Armee

Robert Rodriguez verfilmte nach einem Drehbuch von James Cameron eine berühmte Manga-Vorlage.

von Franco Schedl

Ein neuer Action-Film von Robert Rodriguez ist immer ein Grund zur Freude. Noch besser wird es, wenn ihm namhafte Helfer zur Seite stehen: das Drehbuch zu „Alita, Battle Angel“, basierend auf einem berühmten Manga, stammt von James Cameron (irgendwie muss er ja die Zeit bis zum nächsten „Avarat“-Film hinbringen).

 

alita-4.jpg

Waltz als Cyber-Arzt

Und da gibt es vor allem noch Christoph Waltz, um den es in letzten Zeit relativ still geworden ist (was wohl auch daran liegen wird, dass er gerade selber einen Film gedreht hat). Hier nimmt er als einfühlsamer Cyber-Arzt in der fernen Zukunft ein seltsames künstliches Mädchen unter seinen Schutz, das er vom Schrottplatz heimgebracht und wieder zusammengebaut hat. Der weibliche Cyborg sieht mit seinem Babyface und den großen unschuldigen Kulleraugen ja tatsächlich hilfsbedürftig aus, doch in Wahrheit kann Alita sehr gut für sich selber sorgen, wie sie nur allzu bald beweist.

 

alita-6.jpg

Optisch und schauspielerisch perfekt

Der einzige Schwachpunkt scheint zu sein, dass Camerons Einfluss zu übermächtig gewesen ist, weshalb Rodriguez keine Chance hatte, hier seinen typischen Stil zu entwickeln. Das ist schade, kann diesen Film aber dennoch nicht beeinträchtigen. Im Gegenteil: man weiß gar nicht, worüber man zuerst ins Schwärmen geraten soll.  Die herausragende Optik  – wie hier eine Metropole aus dem 26. Jahrhundert umgesetzt wurde, ist schlicht atemberaubend – wird perfekt ergänzt von einem großartigen Cast:  Waltz wurde endlich wieder nicht als typischer Standard-Bösewicht für einen Hollywoodfilm engagiert, obwohl seine Arzt-Figur offenbar nicht nur eine selbstlos freundliche Seite hat, sondern einige wichtige Informationen zurückhält und nachts womöglich sogar ein mörderisches Doppelleben führt. Außerdem verkörpert Oscar-Gewinner („Moonlight“) Mahershala Ali, dessen Chancen auf einen zweiten Oscar für „Green Book“ vermutlich sehr hoch sind, einen ausgefuchsten Spiele-Macher, der mit dem Bösen paktiert; die wie immer wundervolle Jennifer Connelly geht ihm dabei mit ihrem technischen Spezialwissen zur Hand; und vor allem macht in der Titelrolle Rose Salazar mit reichlicher Computerunterstützung eine sehr gute Figur: selten zuvor hat es eine derartig feinsinnig zarte und zugleich dermaßen gefährliche Actionheldin gegeben.

 

alita-1.jpg

Fortsetzung in Sicht

Erst ganz am Schluss bekommen wir Alitas mächtigsten Feind, den gottähnlichen Nova, der in einer Himmelsstadt über unserer abgewrackten Erde thront, kurz zu Gesicht und wenn er dann seine Wunderbrille abnimmt, mit deren Hilfe er in die Gehirne anderer Menschen schlüpfen kann, erkennen wir in ihm Edward Norton (wodurch die Besetzung auch noch bis zur letzten Sekunde exzellent bleibt). Der Film verlangt also definitiv nach einer Fortsetzung und wir werden bestimmt keinen Einspruch dagegen erheben –  schon allein deshalb, weil man sich Alita sowieso nicht in den Weg stellen sollte, wenn sie auf Rache sinnt.

4 von 5 englischen Kampfgriffen