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Filmkritiken
04/24/2019

"Asche ist das reine Weiß": Ein Schuss mit Folgen

Das chinesische Mafiadrama galt auf den Filmfestspielen in Cannes als großer Favorit für die Goldene Palme.

Qiao (Tao Zhao) genießt als die Freundin von Mafiaboss Bin (Fan Liao) Immunität in der Unterwelt der chinesischen Millionenstadt Datong. Bin und seine Anhänger kontrollieren weite Teile der Stadt und helfen einflussreichen Persönlichkeiten bei ihren schmutzigen Problemen. Als eines Tages ein Geschäftspartner Bins von einer neuen Bande ermordet wird, bricht Krieg in der Unterwelt von Datong aus. Bei einer Attacke auf den Mafiaboss zückt Qiao eine Waffe, um ihrem Freund das Leben zu retten und muss dafür mehrere Jahre ins Gefängnis. Als sie raus kommt findet sie eine vollkommen neue Welt vor.

Unberechenbar

Das Drama erzählt  in zweieinhalb Stunden die sich über 18 Jahre ziehende tragische Lebensgeschichte einer Frau, die für ihren Geliebten ein großes Opfer bringt. In den ersten 45 Minuten erscheint „Asche ist das reine Weiß“ als Gangsterfilm mit Film-Noir Elementen, knackige Dialoge mischen sich mit gezückten Waffen in dunklen Hinterzimmern, in denen Karten gespielt und zwielichtige Geschäfte besprochen werden. Gerade als man glaubt, diesen atmosphärischen Film einem Genre zuordnen zu können, kippt die Handlung in eine vollkommen unerwartete Richtung.

Starkes Drama

Regisseur Jia Zhangke geht es nicht hauptsächlich um Gewaltorgien und das ungezügelte Leben in der chinesischen Unterwelt sondern um die alltäglichen zwischenmenschlichen Konflikte die uns alle betreffen. Der Krieg zwischen den verschiedenen Banden dient hier nur als Grundlage für existenzielle Fragen, die sich sehr schnell zu komplexen Konflikten verdichten. Schuld, Rache und Vergebung stehen hier in einem wechselseitigen Verhältnis, das durch die eigene Interpretation des Zusehers sich von alteingesessenen filmischen Sehgewohnheiten loslösen kann und spannende Erkenntnisse schafft.

Meisterregisseur

Jia Zhangke gehört zu den besten asiatischen Regisseuren unserer Zeit und ist seit Beginn der Nuller Jahre auch einer von der chinesischen Regierung akzeptierter Filmemacher. Alle seine Filme feierten seine Premiere auf einem A-Festival und nach dem Sieg des Goldenen Löwen in Venedig mit "Still Life"(2006) ist er eines der Zugpferde auf den Filmfestspielen in Cannes. Sein neustes Werk galt neben dem koreanischen Beitrag „Burning“ als großer Favorit für die Goldene Palme, aber teilte schließlich das gleiche Schicksal mit seinem Konkurrenten und ging überraschenderweise leer aus.

Ruhig

Asche ist das reine Weiß“ behandelt in ruhigen und sorgfältig inszenierten Bildern existenzielle Fragen abseits von tagespolitischen Themen. Actionfilmliebhaber sollten sich trotz der spannungsgeladenen Exposition vielleicht für einen anderen Film entscheiden, doch wer ein beeindruckendes Drama mit großartigen Darstellerinnen sucht, ist hier genau richtig.

Jia Zhangke erzählt einmal mehr von der turbulenten kapitalistischen Entwicklung Chinas.