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Filmkritiken
01/10/2019

„Ben is Back“: Weihnachten mit Entzugserscheinungen

Die Geschichtenerzähler aus Hollywood stecken in einer Krise, aus der sie auch keine Superhelden mehr herausholen kann.

Es ist Weihnachten und die Patchworkfamilie Burns ist gerade am Nachhauseweg von den Kirchenchorproben der Töchter. Als sie zuhause ankommen, steht Ben (Lucas Hedges) vor der Tür. Holly (Julia Roberts) springt aus dem Auto und läuft mit offenen Armen auf ihren Sohn zu. Ben verbrachte die letzten Monate in einer Entzugsklinik und sollte eigentlich erst nach Weihnachten nach Hause zurückkehren, doch seine Betreuer habe ihm erlaubt, für einen Tag seine Familie zu besuchen. Die Angehörigen sind gespalten über seine Rückkehr. Holly und die zwei kleineren Geschwister freuen sich, Ben an Heiligabend bei sich haben zu können, aber sein Stiefvater Neal (Courtney B. Vance) und seine Schwester Ivy (Kathryn Newton) halten seine Heimkehr für verfrüht. Ben findet sich in einem Gefühlschaos wieder und scheint von seiner dunklen Vergangenheit eingeholt zu werden, doch seine Mutter setzt alles daran, um ihn zu beschützen.

Fragen über Fragen

Ben is Back“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Abgründe von Drogensucht zu zeigen und diesen verstörenden Bildern die unerschütterliche Liebe einer Mutter entgegenzusetzen. Das Thema gibt einem viel Diskussionsstoff. Wie hätte der Drogenmissbrauch verhindert werden können? Wie viel Schuld tragen die Eltern? Ist eine drogenfreie Zukunft möglich? All diese Fragen hätte man sich während dieses Filmes stellen können, doch Regisseur und Autor Peter Hedges beschloss einen anderen Weg einzuschlagen.

Zynisch

Den gesamten Film über werden banalste Antworten auf komplexe Fragen gegeben. Die Drogenvergangenheit der Hauptfigur scheint für den Regisseur nicht dramatisch genug zu sein, ständig wird ein neues künstliches Problem aus dem Hut gezaubert, um die Tragödie der Familie zu verdeutlichen. Sogar die Liebe zu seinem Hund muss hier einer Dramatisierung dienen, denn bedingungslose Liebe scheint hier nur an der Oberfläche zu existieren. Wer diesen zynischen Zugang zu einem wichtigen Thema nicht durchschaut, dürfte hier ein berührendes Kinoerlebnis haben. Doch bei allen anderen wird sich vermutlich eher Langeweile breit machen.

Gleiche Muster

In den letzten Jahren stehen in Hollywood drei Arten von Produktionen hoch im Kurs: Superheldenfilme, Romanverfilmungen und Biopics. Es ist kaum möglich, ein höheres Budget für einen Film zu bekommen, der nicht diesen drei Kriterien entspricht. "Ben is back" ist eine der wenigen Produktionen, die dieses Privileg hatten. Mit solchen Projekten hat die US-Kinolandschaft eine Möglichkeit, ein Gegengewicht zur Marvel & Co. zu bieten, doch die Erzählung verfällt in die exakt gleichen Muster, wie die oft zu recht kritisierten Superheldenfilme. Anstatt in das Innere eines Drogensüchtigen zu schauen, werden alle Konflikte veräußerlicht. Im Grunde könnte man Bens Mutter und seine Drogensucht gegen eine Superkraft, den entführten Hund gegen ein giftiges Virus und den Filmtitel gegen „Super-Ben“ austauschen und hätte einen recht passablen Blockbuster kreiert.

Alternative

 

Das 2011 erschienene norwegische Drama „Oslo 31. August“ erzählt ebenfalls von einem Ex-Drogenabhängigen, der für einen Tag in seine Heimatstadt zurückkehrt. Wer sich von „Ben is back“ ein bedrückendes Drama erwartet, wird enttäuscht werden. Ein Griff zu Joachim Triers Meisterwerk ist hier ratsam und definitv mit weniger Frust verbunden.

Julia Roberts kämpft als Mutter wie eine Löwin um das Schicksal ihres drogesüchtigen Sohnes.