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© Constantin

Filmkritik
02/04/2020

"Chaos auf der Feuerwache": Kindergarten Cop mit Brandbeschleuniger?

Wenn harte Feuerwehrjungs vor Kindern kapitulieren, ergibt das in diese Fall eine Komödie mit Witzen, die kaum jemals zünden.

von Franco Schedl

Sie sind es gewohnt, der heißen Gefahr ins Auge zu blicken, denn sobald ein Waldbrand ausbricht, ist das Team um Feuerwehrhauptmann Jake Carson (John Cena) zur Stelle und stürzt sich aus der Luft in die Flammenhölle. Die sogenannten Smokejumpers können aber unmöglich ahnen, welche Herausforderungen bei ihrem jüngsten Einsatz in einer brennenden Seehütte auf sie zukommen werden: sie retten nämlich drei kleine Geschwister (ein dreijähriges Mädchen, einen sechsjährigen Jungen und eine Schwester im Teenageralter) und müssen die Kinder vorübergehend mit auf ihre Feuerwache nehmen, weil ein Unwetter wütet und die Eltern nicht erreichbar sind.  

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Starke Männer schwächeln

Wir als Zuschauer ahnen natürlich sofort, auf welches Chaos das hinauslaufen wird, da uns Filmen wie "Kindergarten Cop“ oder „Der Babynator“ bestens vertraut sind. Binnen kürzester Zeit haben die aufgeweckten Kleinen den Stützpunkt der starken Männer auf den Kopf gestellt, Stolperfallen ausgelegt, Einsatzfahrzeuge demoliert, mit der Nagelpistole herumgeballert oder für einen Ölfilm in der Einfahrt bzw.  ein Schaumbad in der Garage gesorgt. Perfektionist Carson, der keinen Spaß versteht und streng nach Vorschrift ganz in seinem Job aufgeht, empfindet das als reinsten Horror, da er sich eigentlich auf eine wichtige Beförderung eingestellt hat und mit einem Inspektionsbesuch rechnen muss. Als Running Gag wird ihm außerdem immer eine Taschentuchpackung gereicht, weil alle darauf warten, dass der harte Bursche erstmals im Leben Tränen vergießt.

Grimassenschneider

Ihm zur Seite stehen zwei Kollegen, deren Hauptbeschäftigung im Ablassen lockerer Sprüche oder Grimassenschneiden zu bestehen scheint (Keegan-Michael Key und John Leguizamo wollen sich unbedingt kindischer als die Kinder benehmen); in Gestalt des vierten Feuerwehrmannes Axe tritt uns hingegen ein bärtiger Riese entgegen, der niemals seine Axt aus den Händen legt und von Zeit zu Zeit höchstens drohende Brummlaute ausstößt, aber kein verständliches Wort über die Lippen bringt. (Kein Wunder, dass dieser Typ ganz schön unheimlich wirkt - immerhin hat Darsteller Tyler Mane schon zweimal Michael Myers in Rob Zombies "Halloween"-Remakes verkörpert.) Schließlich wird hier noch Judy Greer als verliebte Krötenforscherin weit unter ihrem Können eingesetzt.  Von den Kindern agiert das ältere Mädchen (Brianna Hildebrand aus „Deadpool“) besonders verantwortungslos - durch regelmäßige Flucht-Aktionen verschrottet es nicht nur Dienstfahrzeuge, sondern bringt sich und die Geschwister immer wieder in Lebensgefahr – wodurch natürlich der erstaunlich rasch in die Vaterrolle hineinwachsenden Feuerspringer Carson Gelegenheit erhält, als Retter aufzutreten.

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Sparflamme

Andy Fickman ("Der Kaufhaus Cop 2") inszeniert eine leider recht schwerfällige Standardkomödie, bei der man schon nach dem ersten Drittel genau weiß, wie alles ausgehen wird. Dabei hat der Film durchaus ein paar nette Momente -  etwa, wenn Carson am Klavier für Stimmung sorgen will und nur alte Songs kennt, in denen es um Feuer geht. Ansonsten können die kaum jemals zündenden Witze unser Interesse nicht wirklich wachhalten, obwohl man den Jungs ja lassen muss, dass sie vollen Körpereinsatz bieten:  als zum Beispiel der Feuerboss und sein Team beim kleinen Mädchen einmal volle Windel wechseln müssen, kommen sie aus dem Gesichterverziehen gar nicht mehr heraus. Alles in allem ist das also kein "Kindergarten Cop" mit Brandbeschleuniger, sondern eine Komödie auf Sparflamme.

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