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Filmkritik
05/15/2019

"Greta": Isabelle Huppert als klavierspielende Psycho-Hexe

Isabelle Huppert und Chloë Grace Moretz liefern einander ein Psychoduell, das ruhig etwas mehr Tiefgang vertragen hätte.

von Franco Schedl

Isabelle Huppert als Klavierspielerin mit schweren psychischen Problemen hat uns ja bereits Michael Haneke im Auftrag von Elfriede Jelinek vorgeführt. Auch im neuen Film von Neil Jordan („The Brave One“) greift Frau Huppert leidenschaftlich gerne in die Tasten, aber sie zeigt, dass noch wesentlich mehr in ihr steckt als eine frustrierte alte Jungfer mit Mutterkomplex -  hier wird sie nämlich zur gefährlichen Stalkerin und Psycho-Hexe.

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Gefährliche Ehrlichkeit

Dabei beginnt alles ganz harmlos: die junge Frances (Chloë Grace Moretz) findet in der New Yorker U-Bahn eine vergessene Handtasche und bringt sie persönlich zur Besitzerin Greta zurück, deren Adresse dank einer ID-Card ersichtlich war. Das etwas naive und allzu leichtgläubige Mädchen aus Boston fühlt sich zur einsamen älteren Frau mit französischem Akzent sofort hingezogen, weil es selber erst kürzlich die eigene Mutter verloren hat. Und so verbringt Frances fortan viel Zeit mit ihr - sie gehen zum Beispiel ins Tierheim, um für Greta einen Hund auszusuchen und kochen gemeinsam. Aber dann macht Frances eine beunruhigende Entdeckung und ab sofort will sie mit Greta nichts mehr zu tun haben. Die gibt sich jedoch mit einer Zurückweisung nicht so einfach zufrieden, sondern entwickelt beängstigende Aktivitäten.

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Erinnerungen an Polanski

Huppert spielt allem Anschein nach gerne manische Persönlichkeiten, und Moretz dürfte gerne leiden, denn sie übernimmt bevorzugt Rollen, in denen ihre Figuren harten körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt sind. Jordan, dessen letzter Kinofilm „Byzantinum“ bereits sieben Jahre zurückliegt, inszeniert Huppert als echte Psychopathin und bringt geschickt ihr Image ins Spiel - selbstverständlich soll man an "Die Klavierspielerin" denken. Zugleich führt er die Zuschauer aber auch lustvoll in die Irre, denn die angebliche Französin Greta entpuppt sich eigentlich als Ungarin. Zuletzt kommt sogar noch dem Eifelturm - oder zumindest einer kleinen Version davon - eine wichtige Aufgab zu. "Greta" ist ein guter Psychothriller, der an Werke von Roman Polanski denken lässt, doch eine Spur zu glatt bleibt - er zielt auf reinen Nervenkitzel und Effekte ab, lässt aber Tiefgang vermissen.

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Und was lernen wir daraus? Ehrlichkeit macht sich einfach nicht bezahlt. Also schaut künftig weg, wenn Ihr in öffentlichen Verkehrsmitteln einsame Handtaschen seht.

3 ½ von 5 Schlaftropfen aus der Pipette

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