© Constantin Film / Paramount Pictures

Filmkritik
03/12/2020

"Lady Business": Schön geschminkte, aber plumpe Comedy

Was als unterhaltsamer Plot mit durchaus Potenzial beginnt, artet in einer Ansammlung niveauloser Slapstick, Klischees und schwacher Dialoge aus, die nicht mal der starke Cast retten kann.

von Amina Beganovic

Die beiden Freundinnen Mia (Tiffany Haddish) und Mel (Rose Byrne) sind nicht nur seit ihrer Schulzeit unzertrennlich, sie sind auch Geschäftspartnerinnen mit einem eigenen Kosmetiklabel. Doch der Rubel rollt schon länger nicht mehr, das Duo steckt in großen finanziellen Schwierigkeiten. Als Retterin in der Not erweist sich die Kosmetik-Ikone Claire Luna (Salma Hayek), die das kreative Gespann fördern und mit einer Finanzspritze vor dem Ruin bewahren möchte. Doch diese entpuppt sich bald nicht nur als wasserdichtes Übernahmeangebot, auch will Claire die Ideen von Mia und Mel für ihre eigenen Zwecke stehlen.

Die beiden müssen nun allen Intrigen und Uneinigkeiten zum Trotz mehr denn je an einem Strang ziehen, um ihr Unternehmen und ihre langjährige Freundschaft zu retten.  

Humorbefreite Comedy

Soweit, so gut. Oder leider doch nicht. Denn obwohl der Plot zwar nicht mit Originalität, aber durchaus mit Unterhaltungspotenzial lockt, entpuppt sich der Film rasch als witzlose Gagschleuder auf sehr niedrigem Niveau. Der puertorikanische Film- und Fernsehregisseur Miguel Arteta ist eigentlich mehr aus der Independent- und TV-Filmszene bekannt. Auch für die beiden Drehbuchautoren Sam Pitman und Adam Cole-Kelly war es das erste Werk für die große Kinoleinwand. Muss nichts heißen, kann aber eine Erklärung dafür sein, warum bei „Lady Business“ (engl. Originaltitel „Like a Boss“) so dermaßen viel schief geht – und das, obwohl mit dem Gespann Tiffany Haddish und Rose Byrne sowie einer bitterbösen Salma Hayek eigentlich ein hochkarätiger Traumcast die Pointen liefern könnte. Doch genau hier liegt die Krux begraben: Es mangelt dem Humor des Films schlichtweg an solchen. Sei es das Austauschen von Sexträumen der beiden Freundinnen oder die obligatorische Kiffen-Szene, der humoristische Funke will einfach nicht überspringen. Gerade Tiffany Haddish könnte in der Rolle der selbstbewussten Mia, die ihren Idealen treu bleiben möchte, brillieren. Doch ihr Charakter geht in den derben und leider durchwegs recht niveaulosen Dialogen, die mehr von Kraftausdrücken als von wirklichem Inhalt geprägt sind, ziemlich unter. Hier sei angemerkt, dass man diese in der englischen Originalfassung vielleicht noch ein wenig besser ertragen könnte – Betonung auf vielleicht.

Auch Rose Byrne bleibt in ihrer Rolle als dauerbesorgte Mel recht farblos. Lediglich eine Dinnerparty-Szene, in der sie in einem Anfall von plötzlicher Wut ihrer Freundin Mia eine gefährlich-scharfe Chillischote ins Essen mischt und dieser übelste Magenbeschwerden damit beschert, liefert ihrem Charakter einen Versuch des Rollenausbruchs. Dieser misslingt nicht nur gewaltig, die Szene ruft auch bemüht Erinnerungen an Filme wie „Brautalarm“ oder „American Pie“ ins Gedächtnis. Apropos: Ein Wiedersehen gibt es mit Jennifer Coolidge alias „Stifler's Mom“. In „Lady Business“ beschränkt sich ihre Rolle allerdings auf eine dauerverwirrte Angestellte von Mia und Mel, die nur kurze dusselige Sprüche von sich geben darf – und auch die sind nicht wirklich lustig.

Beauty, Besties, Babys

Der Grundgedanke des „Female Empowerments“ geht auf Kosten althergebrachter Klischees verloren. Es stellt sich die Frage, welches Frauenbild die Drehbuchautoren Sam Pitman und Adam Cole-Kelly wohl im Kopf hatten – und welches sie transportieren wollten.

Das Business von Mia und Mel dreht sich um Kosmetik, zwar mit einem anderen Fokus als bei Bösewichtin Claire Luna, dennoch bleibt die Kernbotschaft die gleiche: dass Frauen sich hübsch schminken sollen, um sich gut zu fühlen. Der weitere weibliche Freundeskreis des Duos liefert noch mehr Klischees: Man trifft sich zu Babypartys oder Koch-Abenden, schwadroniert übers Stillen oder Hausarbeit, Missgunst und Neid ob der unterschiedlichen Lebenswelten werden ebenso ausgetauscht wie Kommentare zum jeweiligen Hair-Make. Auch die weiterführenden Streitereien zwischen Mia und Mel verlaufen sich mehr im Gezicke als in sachlichen Diskussionen. Kann natürlich dem Charakter der Komödie geschuldet sein, der Zuseher/die Zuseherin kommt aber trotzdem nicht aus dem Augenverdrehen heraus. Salma Hayek wiederum sieht man zwar den Spaß an ihrer boshaften Rolle an, doch auch hier wäre weniger Dekolleté-Humor mehr gewesen.

Und die Männer in dem Film? Die beschränken sich auf unwichtige Nebenrollen wie One-Night-Stands oder chauvinistische Kosmetik-Konkurrenten, die Mia und Mel die Aufträge stehlen wollen. Karan Soni („Pokémon Meisterdetektiv Pikachu“) gibt zwar einen soliden Assistenten und Handlanger von Claire, aber auch seine Rolle bleibt relativ schwach. Lediglich Billy Porter sorgt als schwuler Angestellter von Mia und Mel mit ein paar Dramaqueen-Momenten für kurzes Schmunzeln.

Fazit: Das Projekt „Frauenkomödie“ geht mit „Lady Business“ leider komplett daneben, geschuldet durch die klischeehaften Charaktere und die plumpen Dialoge, deren Humor ins unterste Niveau absinken. Mal wieder einen gemeinsamen Kino-Mädelsabend planen? Unbedingt! Aber lieber nicht mit diesem Film.

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Business-Komödie mit Tiffany Haddish und Rose Byrne: Zwei Freundinnen müssen sich als Geschäftspartnerinnen zusammenraufen, um ihr Kosmetik-Label zu retten.