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Filmkritik
05/07/2019

"Stan & Ollie": Professionelle Liebesbeziehung im Zeichen der Komik

Zwei legendäre Komiker geben ihre Abschiedsvorstellungen, und zwei zeitgenössische Schauspieler verkörpern die beiden sensationell authentisch.

von Franco Schedl

Wer kennt sie nicht, die beiden: Stan & Ollie oder Laurel & Hardy bzw. Dick & Doof (in einem eher unsympathischen Dummdeutsch). Und wer hätte gedacht, dass diese Komiker von Weltrang auch eine Phase hatten, in der Publikum und Produzenten nichts mehr von ihnen wissen wollten? Dennoch war es so: Anfang der 50er Jahre ist ihr Ruhm im Sinken begriffen und ihre Filmkarriere zum Stillstand gekommen. Schwerwiegende Veränderungen im amerikanischen Studiosystem haben dazu beigetragen und ihre künstlerische Freiheit eingeschränkt. Stan war der eigentliche kreative Kopf des Duos, der sich pausenlos weitere Gags ausdachte und an neuen Drehbüchern arbeitete, während Ollie ein eher lockeres Leben genoss, das Golfspiel liebte und viel Geld bei Pferdewetten verlor. 

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Auf Englandtournee

Nun hat Stan keine Entscheidungsgewalt mehr über die Projekte und darf den Studiobossen nicht dreinreden. Also versuchen Laurel & Hardy ihr Glück in Übersee und starten 1953 zu einer Tournee durch Großbritannien. Nach einem etwas zähen Start mit fast leeren Häusern, beginnen sich die Theater wieder zu füllen: ihre die Tournee führt sie durchs ganze Inselreich, bis sie in London vor ausverkauften Sälen spielen. Doch es beginnt zwischen den beiden zu kriseln und ihre Freundschaft wird einer harten Belastungsprobe unterzogen: alte ungeklärte Differenzen kommen wieder zur Sprache und mit Ollies Gesundheit steht es ebenfalls nicht zum Besten. Daher geben sie mit den Bühnenprogrammen in England zugleich ihre Abschiedsvorstellungen, denn danach treten sie nie wieder gemeinsam auf.

Dieser Film von Jon S. Baird („Drecksau“) zeigt das tragikomische Ende einer beispiellosen Künstlerkarriere, die zugleich sozusagen eine große Liebesbeziehung gewesen ist - was Stan in einen gedrückten Moment auch genauso formuliert. Die beiden streiten miteinander wie ein altes Ehepaar und als sie sich wieder versöhnen, stecken sie zufällig gerade unter einer Bettdecke. 

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Coogan & Reilly sind oscarwürdig

Steve Coogan und John C. Reilly machen eine unglaubliche Transformation durch und bringen ein wahres Wunder zustande. Wie perfekt sie in ihren Rollen aufgehen, erkennt man ganz leicht daran, dass sie etliche Originalnummern von Laurel & Hardy nachspielen oder -singen und uns dabei immer wieder zum Lachen bringen - ja, wir vergessen oft sogar, dass wir gerade nicht die beiden echten Komiker vor uns haben. Falls es noch etwas Gerechtigkeit in der Filmwelt gibt, sollten Coogan & Reilly auf der Stelle einen Doppel-Oscar erhalten; und wenn man noch ein bisschen weiterträumen dürfte, würde ich mir folgendes wünschen: sie müssten in ihren Rollen bleiben und all das unveröffentlichte Material aus Laurels Nachlass in neue Filme umsetzen.

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Die beiden sind also absolut genial, aber auch die Darstellerinnen von Mrs. Hardy & Mrs. Laurel können sich sehen lassen:  die eine (Shirley Henderson) verkörpert ein zartes Persönchen mit Piepsstimme, die andere (Nina Arianda) tritt als blonde aufgedonnerte Ex-Tänzerin mit starkem russischen Akzent in Erscheinung und sie liefern sich häufig recht vergnügliche spitzzüngige Wortgefechte.  Laurels Tochter Lois hat ihren Vater übrigens um ein halbes Jahrhundert überlebt und ist erst 2017 fast 90jährig gestorben - ihr wurde dieser Film gewidmet.

4 1/2 von 5 Slapstickeinlagen  mit aufsteigenden Hüten

Auf einer Englandtournee im Jahr 1953, als der Stern des Duos Stan Laurel & Oliver Hardy im Sinken ist, wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt.