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© Warner Bros.

Filmkritik
11/27/2019

"The Good Liar": Mirren und McKellen spielen Katz-und-Maus

In dem trick- und überraschungsreichen Thriller treten die beiden Oscar-Preisträger Helen Mirren und Ian McKellen erstmals gemeinsam vor die Kamera.

von Franco Schedl

Täuschung und Betrug ist sein Geschäft – und da Roy Courtnay (Ian McKellen) bereits alt und grau ist, hatte er genügend Zeit, sich in diesem Job zu perfektionieren. Als nächstes Opfer hat sich der Berufsbetrüger die reiche Witwe Betty McLeish (Helen Mirren) ausersehen und beginnt die Frau geschickt zu umgarnen. Zunächst scheint seine Taktik Erfolg zu haben, doch allmählich stellt sich heraus, dass Betty gar nicht so harmlos ist, wie sie zunächst wirken könnte. 

Nach dem Roman von Nicholas Searle inszenierte Bill Condon („Die Schöne und das Biest“; „Kinsey“, „Mr. Holmes“) einen raffinierten Psychothriller, in dem die beiden Oscar Preisträger Mirren und McKellen erstmals gemeinsam vor die Kamera treten; sie liefern einander ein ausgefuchstes Katz-und-Maus-Spiel, wobei der/die eine dem/der andern immer um einen Schritt voraus zu sein scheint.

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Ein gefährlicher alter Mann

Der so harmlos wirkende alte Mann stellt sich relativ rasch als brandgefährlich heraus und wir erleben, zu welchen Schritten er gemeinsam mit seinem Partner Vincent (Jim Carter, der Butler aus "Downton Abbey") bereit ist, wenn es ums Geld geht. Außerdem beginnen wir bald zu ahnen, dass sich hinter seiner wahren Identität ein lange zurückreichendes Geheimnis verbirgt und bei einem Besuch in Berlin werden nähere Hintergründe darüber bekannt, Doch das sind noch nicht die letzten Enthüllungen in Betreff seiner Person, denn dieser Film kann sich auf ein gutes Drehbuch verlassen und versorgt uns mit immer neuen perfekt gestaffelten Überraschungen.

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Absolutes Traumpaar

McKellen wirkt einerseits sehr gebrechlich, verletzlich und wie ein echter Gentleman, doch dann kehrt er blitzschnell eine andere Seite hervor und wird zu einem ernstzunehmenden Gegner, dem man besser nicht in die Quere kommen sollte. Während Mirren eine kultivierte ältere Dame spielt, die sich anscheinend allzu leichtgläubig betrügerische Geldgeschäfte aufschwatzen lässt. Auch ihre Figur erweist sich bald als wesentlich vielschichtiger - und ihre letzten Worte "Vorsicht, es ist tiefer als es aussieht" ruft sie zwar ihren im Wasser plantschenden Enkeltöchtern zu, doch die Warnung lässt sich auch ohne weiteres auf ihren eigenen Charakter beziehen. Mirren und McKellen erweisen sich als absolutes Traumpaar - zumindest in Betreff der schauspielerischen Leistung, denn ob es für Roy und Betty auch ein Happy End geben wird, ist eher zweifelhaft.

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Mangelhafte Deutschkenntnisse

In der Originalversion wird übrigens auch relativ oft Deutsch gesprochen  - bei einigen Personen hört man, dass es sich tatsächlich um echte Deutsche handelt, doch dann werden wir uns wieder wundern, wie ein angeblich waschechtes Berliner Mädchen wohl zu einem breiten britischen Akzent gekommen ist. Manche Besetzungsentscheidungen wurden also eindeutig nicht im Zeichen der Logik getroffen (oder sollte die Darstellerin eine sprachliche Hochstaplerin sein?)

4 von 5 Anzeichen von falscher Altersschwäche