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Filmkritiken
05/15/2019

"The Silence" Urzeit-Fledermäuse greifen an

Das spannende Gegenstück zu "A Quiet Place" hat die besseren Monster und eine überzeugendere Story zu bieten.

Das nennt man dann wohl tödliche Neugierde. Höhlenforscher haben eine Steinwand durchbrochen und dadurch, ohne es zu wollen, einer Urzeitspezies den Weg ans Tageslicht geöffnet. Wohl seit Jahrtausenden hat die Kreuzung zwischen Flugechse und Fledermaus in völliger Abgeschiedenheit tief unter der Erde verbracht - nun schwärmen die gefährlichen Biester aus und verdunkeln den Himmel über Amerika. Zwar sind sie völlig blind, verfügen aber über ein extrem gutes Gehör und sobald ein unvorsichtiges Lebewesen ihre Aufmerksamkeit erregt, stürzen sie sich auf es und nagen ihm mit rasiermessescharfen Zähnen das Fleisch von den Knochen.

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Eine Familie auf der Flucht

Familie Andrews, bestehend aus Vater (Stanley Tucci), Mutter (Miranda Otto), Oma (Kate Trotter) und den Teenagern Jude (Kyle Breitkopf) und Ally (Kiernan Shipka), wird von der landesweiten Attacke ebenso wie alle anderen überrascht und die Fünf ergreifen - zunächst im Auto - die Flucht. Da Ally vor Jahren durch einen Unfall das Gehör verloren hat, ist ihnen das Leben in Stille und die Verständigung durch Gebärdensprache vertraut; unter diesen Umständen ein klarer Vorteil. Nachdem sie ein abgeschiedenes Landhaus gefunden haben, scheint das Schlimmste halbwegs überstanden, doch da wir uns in Amerika befinden, reagieren viele Menschen auf Katastrophen mit religiösem Wahnsinn: so steht plötzlich eine örtliche Sekte vor dem Haus und der schwarzbärtige Anführer scheint genau zu wissen, was er will - und wenn er dafür über Leichen gehen muss.

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Solides Survival-Movie

Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman von Tim Lebbon und erinnert uns selbstverständlich sofort an "A Quiet Place". Während dort blinde Weltraummonster die Menschheit dezimierten, sind es hier Albino-Fledermäuse. Mir persönlich ist diese zweite Spezies immerhin wesentlich lieber und außerdem verfügt "The Silence" im Vergleich zum Vorgängerfilm über die plausiblere Handlung. Das geradlinig erzählte Survival-Movie von John R. Leonett ("Annabelle") überzeugt durch tolle Darsteller, erschreckend aussehende Kreaturen und ein paar wirklich fiese Situationen, mit denen die Protagonisten fertig werden müssen. Das religiöse Finale, bei dem es dann zu einem blutigen Kampf kommt, erscheint da noch am verzichtbarsten, weil die Story auch ohne diese Zuspitzung genügend Potential geboten hätte. Kameramann Michael Galbraith gelingen immer wieder Bilder, die im Gedächtnis bleiben (und eine Referenz an Hitchcock ist ebenfalls vorhanden, wenn die Flugmonster tausendfach Leitungsdrähte der Strommasten bedecken). Zum Glück ist das kein Film mit Geruchseffekten, da die Kreaturen übel stinken - oder in den Worten des tauben Mädchens: "They smell like shit".

4 ½ von 5 getrockneten Bröckchen Fledermauskot

In einer Welt jenseits unserer Vorstellungskraft kann schon das kleinste Geräusch den Tod bedeuten., wenn Urzeitmonster angreifen.