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© leonine

Filmkritik
07/23/2020

"Unhinged – Ausser Kontrolle": Russell Crowe als Psycho hinterm Steuer

Russell Crowe betätigt sich als unbarmherziger und wutgesteuerter Stalker in diesem adrenalingesättigten Terror-Movie.

von Franco Schedl

Diese Frau glaubt doch tatsächlich, ihr Tag läuft nicht gut. Wenn sie wüsste, was noch auf sie zukommt! Rachel (Caren Pistorius) ist im Dauerstress, weil sie verschlafen hat, gerade eine Scheidung durchmacht, ihren Sohn zur Schule bringen muss, im Stau steckenbleibt und obendrein schlechte Nachrichten erhält, die ihren Job betreffen. Natürlich liegen in so einer Situation die Nerven blank und als dann der Fahrer vor ihr hartnäckig eine grüne Ampel ignoriert, hupt sie ihn heftig an. Das hätte sie lieber nicht tun sollen, denn hinter dem Steuer des Wagens sitzt ein höchst gefährlicher Mann in Gestalt von Russell Crowe. Seit sie dessen Aufmerksamkeit geweckt hat, beginnt Rachels Tag erst richtig aus dem Ruder zu laufen.

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Der Mann an der Stoßstange

Dieser Kerl ist nämlich völlig durchgeknallt: Obwohl er kurz davor zwei Personen mit einem Hammer erschlagen und ein Haus abgefackelt hat, ist sein Aggressionspegel noch immer viel zu hoch. Nun setzt er sich in den Kopf, Rachel „eine Lehre zu erteilen“, wie er das selber nennt, und heftet sich unerbittlich an ihre Stoßstange. Nicht genug damit, klaut er auch noch ihr Smartphone, wodurch sich ganz neue Möglichkeiten für ihn eröffnen. Er mischt sich immer mehr in Rachels Leben ein – mit tödlichen Konsequenzen für alle, die ihr nahestehen. Über die früheren Lebensumstände des gefährlichen Mannes erfahren wir kaum etwas und er lässt stattdessen seine Untaten für sich sprechen. Russell Crowe als bulliger Gewalthaufen, dem die Mordlust aus den Augen blitzt, ist selbstverständlich absolut sehenswert. Es nützt auch gar nichts, dass der Typ regelmäßig Tabletten einwirft (oder er nimmt halt einfach die falschen Medikamente).

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Ein neues "Falling Down"

Regisseur Derrick Borte bietet uns eine zeitgemäße Variante von Joel Schumachers „Falling Down“, in dem einst Michael Douglas an einem „ganz normalen Tag“ als amerikanischer Herr Jedermann zum Amokläufer wurde - und auch hier steht nun ein namenloser Wutbürger im Mittelpunkt. Im Vergleich dazu ist „Unhinged“ hingegen die wesentlich komprimiertere Version und ein Beispiel für effektvolles Terrorkino, weil sich alles auf wenige Personen beschränkt und so rasant heruntererzählt wird, dass man bei manchen Szenen gar nicht anders kann, als auf seinem Kinosessel unruhig hin und her zu rutschen.

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Gewalt gewaltsam erklären

Nur das Ende versorgt uns dann mit einem unvermeidlichen Showdown, bei dem es Schläge, blaue Flecken und sonstige böse Verletzungen hagelt und alles viel zu vorhersehbar abläuft. Auch in anderer Hinsicht ist das Werk gescheitert: Bereits der Vorspann versucht so etwas wie eine soziale Komponente hineinzubringen und zeigt uns in zersplitterten Bildern reale Aufnahmen von spektakulären Unfällen, Ausschreitungen oder anderen Konflikten, um die eskalierende Gewalt auf den Straßen zu demonstrieren. Als Begründung für die Taten des Mannes reicht das aber längst nicht hin, denn es ist schon ziemlich flach, zu sagen, dass man mit all den heutigen Belastungen nicht mehr fertig werden kann und einfach ausrasten muss. Wenn man so denkt, hätten bereits die Neandertaler zur Keule greifen und aufeinander losdreschen müssen. Aber Moment – haben sie nicht genau das eh getan?

3 1/2 von 5 Restauranttischen, die durch Leichen zweckentfremdet wurden

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