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Filmkritiken
08/02/2017

"Final Portrait": Der Farbe beim Trocknen zusehen

Das Biopic über den weltberühmten Maler Alberto Giacometti wird dem Schaffen des Künstlers leider nicht gerecht.

1964 in Paris. Nachdem der junge amerikanische Schriftsteller James Lord (ein verwirrter Armie Hammer) eine Biographie über den weltberühmten Maler Alberto Giacometti (Geoffrey Rush) geschrieben hat, macht er sich bereit für seine Heimreise. Giacometti bittet ihn, ein paar Tage länger zu bleiben, damit er ein Portrait von ihm malen könne. Aus Tage werden Wochen und Lord versteht erst jetzt richtig, was für eine Arbeit hinter den Portraits des Künstlers steckt.

Stanley Tucci am Regiestuhl

Final Portrait“ ist die fünfte Regiearbeit von Stanley Tucci. Der italo-amerkiansche Schauspieler verfasste das Drehbuch zum Film an Anlehnung zur Biographie und den Prosatexten die James Lord über Alberto Giacometti geschrieben hatte. Die Handlung beschränkt sich auf zwei Wochen im Leben von Giacometti, die er größtenteils in seinem Atelier verbringt und vergeblich versucht, ein Portrait zu malen.

Uninspiriert

Trotz des visuell anspruchsvollen Themas und "The King's Speech" Kameramann Danny Cohen, versagt der Film optisch auf ganzer Ebene. Die Kamerapositionen wirken willkürlich und lassen jede Art von malerischer Schönheit vermissen, die der Titel des Films verspricht. Die einzige Schönheit in diesem Biopic liegt in den Skulpturen und Gemälden Giacomettis.

Langatmig

Die Themen des Filmes schwirren vage im Atelier des Künstlers umher und werden niemals greifbar, weshalb man nach dem ersten Drittel die Ausdauer verliert und keine Lust hat, den banalen Gesprächen über Kunst und Liebe zu folgen. Die Konflikte lassen jegliche Fallhöhe vermissen, sind dann aber auch nicht komödiantisch genug umgesetzt, damit wir über sie lachen können. Ein bisschen geht es dem Künstler schlecht, aber eigentlich ist alles in Ordnung - an diesem Zustand ändert sich 90 Minuten lang nichts.

Vergebene Chance

Traurig ist, dass Stanley Tucci jahrelang an der Realisierung des Biopics gearbeitet hat und dabei dann so etwas herauskommt. Die Tatsache, dass „Final Portrait“ auf der Berlinale gezeigt wurde, verdankt er der hochkarätigen Besetzung und dem Namen Stanley Tucci, andernfalls wäre so ein Film sang und klanglos an den A-Festivals vorbeigegangen. Schon nach der Premiere zeigte sich Tucci unzufrieden und sagte „ich wünschte, ich könnte noch einmal zurückkehren und alles neu machen“. Da spricht er uns aus der Seele.

Özgür Anil

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Ein junger Schriftsteller darf 1964 für das neue Porträt des Malers und Bildhauers Alberto Giacometti Modell sitzen, doch der der ebenso anspruchsvolle wie exzentrische Künstler lässt sich für die Arbeit viel Zeit.