Filmkritiken
28.11.2017

"Flatliners": Süchtig nach Herzstillstand

Das Remake reicht längst nicht ans Original von 1990 heran, und auch die Gastauftritte von Kiefer Sutherland enttäuschen eher.

Dass bei Figuren in einem Horrorfilm vor Schreck schon mal der Herzschlag aussetzen kann, versteht sich von selbst. In diesem Fall wird der Herzstillstand jedoch unter medizinischer Aufsicht absichtlich herbeigeführt. Diese Vorgehensweise sollte niemanden überraschen - immerhin genießt der gleichnamige Originalfilm von 1990 Kultstatus, weil damals mit Kiefer Sutherland, Julia Roberts oder Kevin Bacon einige junge Darsteller mit von der Partie gewesen sind, die es später zu etwas gebracht haben. Diesmal bleiben die Mitspieler, abgesehen von der bereits arrivierten Ellen Page, aber ziemlich blass und sind nicht geeignet, bleibende Eindrücke zu hinterlassen.

Tempo-Probleme

In den vergangenen drei Jahrzehnten wurden auf medizinisch-technischem Gebiet enorme Fortschritte erzielt, daher sind die für das gefährliche Experiment verwendeten Gerätschaften nun auch wesentlich moderner (ein Kernspintomograph zeichnet etwas die Hirnaktivitäten während der Nahtoderfahrungen auf). Dennoch findet der dänische Regisseur Niels Arden Oplev oft nicht das richtige Tempo - gerade aus den Nahtod-Szenen hätte man durch inszenatorisches Geschick wesentlich mehr herausholen können. Auch die Motivationen der Figuren scheint kaum nachvollziehbar – so kommt etwa ihre Bereitschaft, die Versuchsreihe fortzusetzen, überraschend schnell.

Ein Dr. House im falschen Film

Am Gelungensten sind noch die spärlichen Gastauftritte von Kiefer Sutherland: als weißhaariger, hinkender Chefarzt, der auf einen Gehstock angewiesen ist und unfehlbare Diagnosen stellt, zieht er eine „Dr. House“-Nummer ab, was zwar witzig ist, aber zum Original nun wirklich in keinerlei Beziehung steht. Die Schuld und Sühne-Thematik hat ja bereits im Vorgängerfilm eher weit hergeholt gewirkt und ist daher auch nun die größte Schwachstelle. Mittlerweile haben wir noch dazu schon genügend Filme gesehen, die nach dem „Ring“-Prinzip funktionieren, weshalb Szenen, in denen ein dämonisches Kind auftaucht, nur noch wie die Kopie einer Kopie wirken.

Immerhin wurden im Drehbuch ein paar wichtige Änderungen in der Handlungsführung vorgenommen und gegen Ende enthält der Film dann sogar noch ein oder zwei Szenen, bei denen den Zusehern zumindest kurz das Herz stocken könnte.

5 von 10 Reanimationspunkten

franco schedl