Gaichu

J, 2001

Independent

Anlässlich von Akihiko Shiotas Moonlight Whispers (1999) schrieb Patrick Macias von einer «Kreatur, die nichts von Sex oder Tod weiß und weder unschuldig noch pervers» ist. Eine solche «Kreatur» ist auch die Hauptfigur in Shiotas neuem Film, die 13-jährige Sachiko. Eine desaströse Affäre mit ihrem Lehrer Ogata hat dazu geführt, dass dieser nunmehr freiwillig in einem Atomkraftwerk in einer schneereichen Region Japans arbeitet. Nach einem Selbstmordversuch ihrer Mutter zieht sich Sachiko immer mehr zurück. Ihr einziger Freund ist ein etwas älterer Junge, ein Herumtreiber, der sich, mehr als ihm gut tut, mit älteren Gangstern eingelassen zu haben scheint. Gemeinsam streifen sie in ihrem wenig interessanten Dorf durch das hohe Gras, völlig losgelöst in ihrer eigenen kleinen Welt. Der Originaltitel des Films heißt wörtlich «Ungeziefer»; im Film selbst wird ein solch harsches Urteil über die Figuren nicht gesprochen, weder über Sachiko und Ogata, noch über die ständig hinter Sachikos Rücken tuschelnden Mitschülerinnen, auch nicht über Sachikos pathetisch lebensuntaugliche Mutter oder die erwachsenen Männer, die das minderjährige Mädchen ständig einladen, sich mit ihrer Hilfe ein bisschen Taschengeld zu verdienen. Sachiko ist das, was die Japaner ein düsteres Kind nennen: einsilbig, rätselhaft, ausdruckslos, verstört, abwesend. Sie ist fasziniert vom Abseitigen und vom Nichtigen, z.B. von der Frage, wie es es sich anfühlen würde, von einem Lastwagen überfahren zu werden. Die ungeheure Spannung des Films resultiert daraus, dass Akihiko Shiota sich weigert, sie moralisch zu bewerten. Es ist, als habe der Regisseur sie in einem Aquarium ausgesetzt wie einen seltenen Kampffisch, und als beobachte er nun, wie sie reagiert. (Frako Loden)

  • Regie:AKIHIKO SHIOTA

  • Kamera:Tokusho Kikumura

  • Autor:Yayoi Kiyono

  • Musik:Number Girl

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