Gigante

 Uruguay/D/Argentinien/NL 2009
Drama 90 min.
6.80
Gigante

Regiedebütant Adrián Biniez stellt eine schweigsame Figur in den Mittelpunkt: Ein schüchterner Sicherheitsbeamter himmelt an seinem Arbeitsplatz eine Putzfrau nur via Überwachungskameras an.

Der 35-jährige Jara ist in der Sicherheitsbranche tätig. Unter der Woche arbeitet er als Wächter eher gelangweilt in einem Supermarkt in Montevideo, am Wochenende setzt er seine beeindruckende Physis als Türsteher einer Bar ein. Eines Tages fällt ihm auf einem der Bildschirme der Überwachungskameras, die er beaufsichtigt, eine junge Putzfrau auf. Als dieser aus Versehen ein Missgeschick passiert, lacht er zwar in seinem Versteck auf, doch von da an hat es ihm die Frau angetan. Jara entwickelt eine regelrechte Obsession, und die Überwachungskameras laden ihn geradezu ein, sein angebetetes Objekt ununterbrochen zu beobachten. Bald verschafft er sich Einblick in ihre Akten, erfährt, dass sie Julia heißt und wo sie wohnt, und folgt ihr heimlich. Doch wann immer er ihr - beispielsweise in der Firmenkantine - auf scheinbar selbstverständliche Art über den Weg läuft, wendet er sich im selben Moment ab und versucht sich zu verstecken. Gigante lebt vom speziellen Charme seines Helden, der den Zuschauer mit dem Gegensatz von imposanter Gestalt und großer Schüchternheit anrührt. Und es ist tatsächlich beeindruckend, wie Regiedebütant Adrián Biniez es versteht, eine Geschichte mit einer derart verschlossenen, schweigsamen Gestalt in ihrem Zentrum so unterhaltsam zu erzählen. (Karl Fischer)

(Text: Viennale 2009)

Details

Horacio Camandule, Leonor Svarcas, Néstor Guzzini, Federico García, Fabiana Charlo, Ernesto Liotti, Diego Artucio
Adrian Biniez
Adrián Biniez
Arauco Hernández
Adrián Biniez

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Wachmann & Putzfrau
    Ein ganz stiller Film für Schüchterne mit viel Geduld, denn es passiert fast nichts. Der wortkarge, etwas korpulente Wachmann Jara (Horacio Camandule) beobachtet die Putzfrau Julia (Leonor Svarcas) immer intensiver. Er traut sich aber nicht, sie anzusprechen. Erst in der letzten Einstellung sitzen beide am Strand. Man hört aber nicht, was sie miteinander bereden. Der Schluss passt zum vorhergehenden Geschehen, wie das anonyme Geschenk für Julia: ein Kaktus. Der Zuschauer ist quasi der friedlich-freundliche Mit-Stalker, der das Interesse an Julia mit Jara teilen muss und der jede neue Information über sie ebenso wissbegierig aufsaugt, wie die kleinen Missgeschicke oder Ladendiebstähle, die Jara mitansieht und helfend eingreift. Das ist rührend gemacht, aber nicht jedermanns Sache. Die beiden Darsteller agieren wie in einem Dokumentarfilm über die Arbeit im Supermarkt. Still erledigen sie ihren Job. Was das alles mit dem Titel zu tun hat? Keine Ahnung. Riesen kann ich nicht entdecken. Das Ganze ist hier vom üblichen Film so weit weg, so vollkommen anders, dass es durch seinen Seltenheitswert schon wieder gut ist.