Guda

 Indien 2003
Drama 85 min.
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Guda ist der Film gewordene Angst-Traum engagierter indigener Jugendlicher im südindischen Kerala. Erzählt wird, wie das junge Mädchen Lechu nach Eintritt ihrer ersten Menstruation traditionsgemäß im «guda», einer kleinen konischen Bambus-Grashütte, lebt. Früher wäre sie damit als Frau ins Dorfleben integriert worden. Heute jedoch muss die unglücklich Isolierte erkennen, dass Verarmung und Entwurzelung alle sozialen Bindungen zerfressen haben und Traditionen zum Gefängnis werden. 1993 gründeten der Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist K.J. Baby und seine Frau Shirley, eine Lehrerin, die Kooperative «Kanavu» («Traum»), um der Ausbeutung, Verelendung und Entfremdung der Urbevölkerung («adivasis») eine selbstbestimmte Kultur- und Bildungsarbeit entgegen zu setzen. Sie kauften adivasi-Land zurück und bauten mit etwa vierzig Kindern, Jugendlichen und einigen Erwachsenen ein Schulhaus und eine Bibliothek. Man lernte in freier Adaption von Montessori-Ideen, erinnerte sich mit den Alten verdrängter adivasi-Geschichte(n) und Lieder und schrieb das Gehörte auf. Zum ersten Mal wurde in den eigenen Sprachen Paniya und Nayka gesungen und getanzt, Theater gespielt und damit auf Wanderschaft gegangen. Guda ist ein filmischer Experimentierraum von einigen wenigen Mutigen, die sich angesichts der vorherrschenden Zerstörung naturgestützter Lebensformen nicht einfach als Opfer begreifen wollten. Als sie von 2001 bis 2003 an ihrem Film arbeiteten, war den 17- bis 19-Jährigen das Filmemachen und Schauspielen im Kollektiv zur zweiten Natur geworden: «Acting is living», wie es die junge Meena konzentriert-verträumt ausdrückte. Die Arbeit an Guda war ein wichtiger Selbstfindungsprozess: Motiviert von ihrer jahrelang im Dorf gelebten - und mit Hilfe fahrender Filmvorführer gepflegten - Passion für das Kino, sollte dessen Zauber und die Möglichkeit, sich damit anderen mitteilen zu können, beschworen werden. Guda ist archaisches Ritual: ein zeit-, raum- und schwereloses Dasein zwischen Vorfahren und Nachgeborenen, eine schöpferische Beschwörung selbstbestimmten, naturnahen Lebens. (Brigitte Schulze)

(Text: Viennale 2007)

Details

Manglu (Lechu), Shanti (Nannaru), Karappi (Hechi), C.V. Thomas (Mothali), Meena (Devaki), Saji (Kalan), Mini (Bommi)
K.J. Baby
K.J. Baby
Kannan
K.J. Baby

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