Hamburger Lektionen
Film

Hamburger Lektionen

Deutschland , 2006

Manfred Zapatka trägt zwei übersetzte Reden vor, die der fundamentalistische Imam Mohammed Fazazi im Jänner 2001 in der Hamburger Al-Quds-Moschee in marok­kanischem Arabisch hielt.

Hamburger Lektionen
Min. 133
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Ende der 90er Jahre wurde Mohammed Fazazi Imam der Al-Quds-Moschee in Hamburg. Im Januar 2000 hielt Fazazi im Gebetsraum der Moschee mehrere so genannte Lektionen, bei denen die Anwesenden Fragen zu verschiedenen Aspekten des Lebens stellen konnten. Diese Sitzungen wurden auf Video aufgenommen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde bekannt, dass drei der vier Selbstmordpiloten regelmäßig die Moschee besucht hatten und in engem Kontakt zu Imam Fazazi gestanden waren. Auf der Grundlage des Videos rekonstruieren die Hamburger Lektionen den vollständigen Wortlaut zweier Sitzungen vom Januar 2000. Mohammed Fazazi kehrte im Oktober 2001 in seine Heimat nach Marokko zurück. Der deutsche Schauspieler Manfred Zapatka stellt zwei Vorträge von Mohammed Fazazi nach. Doch er interpretiert sie nicht, er bringt sie zur Kenntnis. Denn Zapatka spielt niemals die Rolle von Fazazi, er spricht nur dessen Worte. Das Sprechen ist zugleich Bericht, zu dem Zapatka mit seinem Laien-Arabisch auch noch die Fußnoten der Übersetzer hinzufügt. In jeder Hinsicht geht es um Übermittlung ohne persönliche Teilnahme: Der Schauspieler macht sich zum Gefäß einer Rede, aus der er ursprünglich strukturell ausgeschlossen war. Aus dieser Tatsache leiten Karmakar und Zapatka die Berechtigung ihres Films ab. Auch wenn Karmakar mit den Hamburger Lektionen wie schon in dem formal ähnlichen Himmler-Projekt einen Zugang zu geheimem Wissen öffnet (und diese Öffnung zugleich konzeptualisiert), bleibt der Film ganz auf der anderen (auf «unserer») Seite. (Bert Rebhandl)


(Text: Viennale 2006)

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