Jazireh Ahani - Iron Island

 Iran 2005

Jazireh ahani

Drama 90 min.
7.20
film.at poster

Wie eine abgehalfterte Arche liegt ein Tanker irgendwo im Persischen Golf.

Wie eine abgehalfterte Arche liegt ein Tanker irgendwo im Persischen Golf. Schrottreif zwar, aber bevölkert mit zahlreichen Menschen und ein paar Tieren. Sie leben unter dem rigorosen Regiment von Kapitän Nemat, der ihren Alltag kontrolliert. Die Zukunft dieser Arche ist allerdings mehr rostig als rosig, denn die Bewohner schlachten den Tanker für ihren Lebensunterhalt aus. Und so werden sie das sinkende Schiff, ihre eiserne Insel, bald verlassen müssen.

Der Film des jungen Iraners Rasoulof kreist gleichermaßen parabelhaft wie geheimnisvoll um das Leben in diesem nautischen Mikrokosmos. Ab und an verweilt die Kamera bei einer gelungenen Idee - faszinierend der Abtransport von Ölfässern -, überlässt aber die Deutung dem Publikum. So bleibt vieles unbestimmt offen, wie auch die Geschichte selbst, wenn der Exodus vom Schiff in eine Wüstenlandschaft führt. Welche Gesellschaft liegt hier vor Anker? Ist die Gefolgschaft des Kapitäns der einzige Weg? Ein besonderer Reiz liegt in den märchenhaft gezeichneten Sonderlingen, die sich von der mehr oder weniger anonymen Masse der Schiffsbewohner abheben: Da ist der Alte, der unverdrossen in die Sonne starrt, ohne zu wissen, was er sucht, oder der kleine Junge, der tief unten im Schiffsrumpf Fische fängt, um sie über Bord in die Freiheit zu werfen. Diese Figuren wie auch die teilweise atemberaubenden Bilder verleihen dem Film einen bizarren Zauber. (Christine Stark)

(Text: Filmarchiv Austria)

Details

Ali Nasirian, Hossein Farzi-Zadeh, Neda Pakdaman
Mohammad Rasoulof
Mohammad-Reza Aligholi
Reza Jalai
Mohammad Rasoulof

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Die eiserne Insel
    Ein gestrandeter Öltanker vor der Küste Irans ist Heimat für viele Menschen. Kapitän Nemat (Ali Nasirian) lenkt die Geschicke der kleinen Gemeinde. Mal freundlich hilfsbereit und verständnisvoll, aber wenn es sein muss auch mit gnadenloser Härte.
    Diese geniale Grundidee des Films von Mohammad Rasoulof kann man durchaus als politische Parabel für ein arabisches Land (vielleicht den Iran?) verstehen: die Bewohner leben auf und von dem Wrack, indem sie es zerlegen und die Teile an Land verkaufen und im Tanker selbst gibt es Öl. Nur über einen rostigen Aufzug gibt es einen streng kontrollierten Zugang zur Außenwelt. Ehen werden nach Absprache der Väter geschlossen. Der junge Ahmad (Hossein Farzi-Zadeh) versucht es auf eigene Faust und wird fürchterlich bestraft. Alle schauen wortlos zu. Das Mädchen (Neda Pakdaman) wird vom Vater bis zur Hochzeit mit Gesichtsmaske eingesperrt. Er sagt ‘Sie ist meine Tochter. Wenn ich will, bringe ich sie um.‘ Das Schiff soll geräumt werden, die Bewohner werfen mit Schuhen. Bei Auslandsfernsehen wird das Gerät ins Meer geworfen.
    Der freundliche Diktator lockt sein ‘Volk‘ auf eine Pilgerfahrt und zeigt ihnen ihr neues Land, das er für sie gekauft hat. In der Wüste werden sie eine neue Stadt bauen. Die Geschichte wird so unpersönlich erzählt, dass eine Identifikation mit einer der Figuren nicht möglich ist. Sie dienen nur als Anschauungsobjekte.
    Jeder kann sich seinen eigenen Reim auf diese Schilderung machen. Viele symbolträchtige Hinweise geben sicheres Geleit: am Anfang wird eine Kerze angezündet und weist erhellend den Weg. Das Mädchen schaut aufs Meer durch ein vergittertes Fenster. Die Ausweise werden eingesammelt. Nur Nemat verhandelt mit den Behörden. Ein alter Mann schaut immer wieder in die Ferne und die Jugend (ein kleiner Bub) macht die Abstimmung der Füße. Die übrige Gemeinde sitzt am Ende in der Wüste und wartet…