L' Enfant endormi

 Marokko/B 2004
95 min.
film.at poster

In einem abgelegenen marokkanischen Dorf im Nordosten des Landes feiert man die Hochzeit der jungen Zeinab. Am nächsten Tag muss sie erleben, wie ihr Ehemann abreist, um in Europa Arbeit zu suchen. Wann er wiederkehrt, ist unklar, als klar gilt, dass Zeinab schwanger ist. Auf den Mann wartend macht die junge Frau etwas, das in ihrer Heimat einer alten Tradition entspricht: Sie lässt einem Ritual folgend das ungeborene Kind in ihrem Körper «schlafen» in der Hoffnung, dass der Vater eines Tages wieder kommen möge und sie dann gemeinsam das Kind zur Welt bringen können. Yasmine Kassari stellt die Frage, was mit den zurückgelassenen Frauen geschieht, und erzählt von diesem maghrebinischen Brauch, der sinnbildlich für deren Situation steht. Ich habe einen Mythos genommen, der seit Urzeiten existiert, insbesondere im Magh-reb. Dieser Mythos interessierte mich in dem Sinn, als er Sinnträger sein konnte für das, was ich erzählen möchte. Was mich interessiert, ist weniger die soziologische oder anthropologische Lektüre des Mythos, als vielmehr sein metaphorischer Gehalt. Dieser Film stellt die Frauenfiguren in den Vordergrund, aber bevor ich von diesen Frauen sprach, hatte ich einen Film über Männer gemacht: Quand les hommes pleurent. Ich glaube nicht, dass L Enfant endormi ein Film ist, der stärker auf die Frauen fokussiert ist als auf die Männer. Tatsächlich existieren die Männer hier kraft ihrer Absenz. Sie sind ständig außerhalb des Bildes. Ich habe diesen Film gemacht, um über den Stand der Dinge zu reden, den Stand des Körperlichen, der die Männer genauso betrifft wie die Frauen. Das Schlafenlassen geschieht in Kenntnis aller Betroffenen, die Männer tragen genausoviel dazu bei wie die Frauen. (Yasmine Kassari)

(Text: Viennale 2005)

Details

Rachida Brakni (Halima), Mounia Osfour (Zeinab), Aïssa Abdessamie (Amziane)
Yasmine Kassari
Armand Amar, Koussan Achod
Yorgos Arvanitis
Yasmine Kassari

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • interessant
    Ein Film über das archaische Leben von Frauen in karger Landschaft überschattet von patriarchaler Allmacht, sogar wenn die Männer gar nicht anwesend sind. Für uns schon beim Anschauen sehr "gewöhnungsbedürftig", trotzdem zumindest interessant und empfehlenswert.