Birdwatchers - Das Land der roten Menschen

 I/Brasilien 2008

La terra degli uomini rossi

Drama 02.10.2009 104 min.
6.80
Birdwatchers - Das Land der roten Menschen

Nüchtern und unprätentiös inszeniert und ohne auf einfache Polemik zu setzen, lässt uns der italienische Regisseur Marco Bechis eintauchen in die einzigartige Atmosphäre des brasilianischen Regenwaldes.

Die Kamera fliegt über dichten, sattgrünen Wald, dann über ein Feld, über die rotbraune, fruchtbare Erde; die Furchen des Ackers sind gut sichtbar. Ein Baum steht vereinzelt, frei. Mit dieser Aufnahme endet Marco Bechis' La terra degli uomini rossi. Der Wald und das Feld: Das sind die zwei Sphären, die Bechis in seinem Film zusammenstoßen lässt. Sie verweisen auf die Welt der Indianer und auf die der Großgrundbesitzer, auf die Welt derer, die schon immer hier waren, und die Welt derer, die vor drei Generationen kamen, um den Wald in Feld zu verwandeln, bis nur mehr einzeln stehende Bäume übrig bleiben. La terra degli uomini rossi spielt im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul und handelt davon, wie eine Gruppe von Guarani-Kaiowa-Indianern nach dem Selbstmord zweier Teenager das Reservat verlässt. Ein Dutzend Männer, Frauen, Heranwachsende und Kinder siedelt sich neben dem Feld eines Großgrundbesitzers an. Der hat keine rechtliche Handhabe gegen die Landnahme; er versucht, die Indianer zu vertreiben, doch die sind widerstandsfähiger, als er denkt. (...) La terra degli uomini rossi ist ein toller Film: keine billigen dramaturgischen Tricks, keine simple Opfer-Täter-Logik; indigene Laiendarsteller, die neben den professionellen Schauspielern ohne Not bestehen. Der Film verzichtet außerdem darauf, eine Hauptfigur hervorzuheben, und so hat La terra degli uomini rossi hat das seltene Talent, von einem Kollektiv zu erzählen. (Cristina Nord)

(Text: Viennale 2008)

Details

Taiane Arce (Kinha), Alicélia Batista Cabreira (Lia), Chiara Caselli (Beatrice), César Chedid (Farmer), Temily Comar (Freund von Maria)
Marco Bechis
Andrea Guerra
Hélcio Alemão Nagamine
Marco Bechis, Luiz Bolognesi
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Kritiken

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User Kritiken

  • Folgen des Kolonialismus
    Es ist der Kampf zwischen den Indios und den weißen Viehzüchtern um Land. Gleich die ersten Szenen machen die Interdependenz der beiden Volkgruppen vor Ort deutlich: die Weißen bezahlen die Indios für eine Show vor Touristen, in voller Kriegsbemalung und Attacken mit Pfeil und Bogen. Die Indios brauchen das Geld, um zu überleben. Im Verlauf des Films werden die Argumente von beiden Seiten vorgebracht. Der Konflikt eskaliert. Bleibt die Frage: wer verlässt den Boden der Legalität zuerst. Die Indios haben die Wahl, ins Reservat zurückzukehren oder sich als billige Tagelöhner zu verdingen. Bei diesem culture clash ergeben sich aber auch einzelne Begegnungen zwischen Vertretern beiderlei Geschlechts. Dieser universale Drang hebt den Kampf auf eine allgemein menschliche Ebene. Und die Indiofrauen riskieren eine recht offenherzige Lippe dabei.
    Es gibt keine Lösung bei dieser Auseinandersetzung, nur individuelle Konsequenzen. Ist die Botschaft also: Gut, dass wir mal drüber geredet haben, sonst wäre das alles womöglich in Vergessenheit geraten? Oder ist es eine Warnung vor dem Konfliktpotential, das hier schlummert?
    Auf jeden Fall schafft der Film Einblicke in die Antagonismen des heutigen Lebens der Eingeborenen. Sie müssen mit einem Leben in zwei unterschiedlichen Welten zurechtkommen, die viele Jahrhunderte auseinander liegen.