Lilja 4-ever

 S/DK 2002
Independent 28.02.2003 109 min.
film.at poster

Die aufwühlende Geschichte der 16-jährigen Lilja, die in einem trostlosen Vorort in einer ehemaligen Sowjetrepublik dahin vegetiert und von einem besseren Leben in Schweden träumt.

Lilja, die von ihrer Mutter verlassen wurde, betet in ihrer Not zu einem Engelbild; und ein elfjähriger Junge wird ihr Schutzengel.
Die im Dogma-Stil inszenierten und fotografierten Bildern einer rauen Wirklichkeit sind mit traumartig-surrealen Sequenzen montiert: eine Mischung, die an den frühen Pasolini erinnert. Die Musik von Vivaldi und Rammstein erschafft eine vierte Dimension seelischer Transparenz. Lukas Moodysson wurde mit zwei komödienhaften Filmen bekannt: Fucking Åmål der in Schweden mehr Zuschauer ins Kino lockte als Titanic erzählte von zwei jungen Mädchen, die kleinstädtischer Langeweile entfliehen wollen. In Together inszenierte Moodysson Wohngemeinschaftsalltag der 70er: lieber gemeinsam Haferbrei löffeln als einsam vor einem Schweinekotelett sitzen. Nun also ein Film, in die die Härte der Erzählung durch die Poesie von Engelsflügeln konterkariert wird.

(Rainer Gansera)

Eigentlich wollte ich einen Film über Gottes Güte drehen, aber dann erhob die Realität ihr schreckliches Haupt, und nun wurde etwas anderes daraus. Es wurde ein Film über zwei Kinder, Lilja und Wolodja, die in einem Land leben, das früher Teil des mächtigen Sowjetimperiums war und nun in Ruinen liegt. Es wurde ein Film über die Sehnsucht, woanders zu sein, darüber, alles zurückzulassen, allein zurückgelassen zu werden, über reiche Leute, die glauben, mit Geld alles kaufen zu können, und über arme Leute, die gezwungen sind, alles zu verkaufen, was sie haben außer ihrem Herzen. Es geht um Geschichten, die weit weg passieren, und um Geschichten, die sich in meiner Straße abspielen, um Hustensaft und Klebstoff, um Basketball, um Britney Spears, und, nun ja, vielleicht geht es ja irgendwie auch um Gottes Mildtätigkeit, auch wenn er die Gebete seiner Tochter Lilja nie erhört.

(Lukas Moodysson)

Details

Oksana Akinshina (Lilja), Artiom Bogucharskij (Wolodja), Pawel Ponomarew (Andrej), Elina Beninson (Natascha), Lilja Schinkarewa (Tante Anna), Tomas Neumann (Witek), Ljubow Agapowa (Liljas Mutter), Tönu Kark (Sergej), Anastasia Bedredinowa (Nachbarin), Nikolai Bentsler (Nataschas Freund)
Lukas Moodysson
Nathan Larson
Ulf Brantås
Lukas Moodysson
Trust Film Sales Filmbyen, Avedøre Tværvej 10 2650 Hvidovre, Dänemark T 36 77 44 48, annakarin@trust-film.dk

Kritiken

Kinoprogramm

Es sind uns keine Vorstellungen bekannt.

Film bewerten

0

User Kritiken

  • Hoffnungslos + allein gelassen
    Ein trauriger Film, der in seiner dokumentarischen Schärfe echt an die Nieren geht. Es ist nicht nur die albtraumartige Trostlosigkeit der heruntergekommenen Plattenbauten, sondern die Perspektivlosigkeit der Jugend, die hier leben muss. Ein Versuch diesem Elend zu entkommen, scheitert kläglich, nachdem sich Lilja mit Prostitution, Schnüffeln und Schnaps eher schlecht als recht durchgeschlagen hat. Der Suizid erscheint als wahre Erlösung. Auch der Versuch das vorprogrammierte Ende etwas lyrisch-poetisch abzufedern (die Flügelchen sind zum Schmunzeln) verhindert nicht den nachhaltigen Eindruck dieses tragisch-dramatischen Jugendfilms. Und es ist nicht leicht, das menschliche Elend in diesem Ausmaß zu konfrontieren.

  • tagline: das leben ist totale scheiße
    Moodyssons handschrift ist unverkennbar - wer 'fucking amal' und 'zusammen' gemocht hat wird nicht enttäuscht sein. allerdings wirkt die arbeit irgendwie erwachsener - liegt vielleicht auch an der eigenwilligen aber sehr passenden musikmischung (rammstein, vivaldi).

    im gegensatz zu seinen ersten beiden filmen ist dieser aber ziemlich depressiv geraten - zwar mit einem leicht positiven unterton aber alles in allem wirkt er doch sehr trostlos. also nicht unbedingt der mit-der-freundin-einen-netten-film-ansch auen film. der film wirkt genauso, wie moodysson es in dem interview oben beschreibt - zuerst schauts so aus, als ob es trotz allem doch noch werden würde, aber letztendlich geht dann doch alles den bach runter. von der story her ist er in dieser hinsicht 'requiem for a dream' ähnlich. dazu gabs einen kommentar der auch hier passt: 'der film beginnt wie ein sprung aus dem flugzeug und endet fünf minuten nach dem einschlag' - nur daß hier die high-end verpackung von 'requiem' fehlt. dazu kommt daß das thema auch ein wenig tabuisiert ist - ich nehme an in schweden ist das ding ein echter saalfeger...

    besonders nett fand ich die endszene, die zum gößten teil schon am anfang gezeigt wurde, die aber beim zweiten mal wegen der geschichte, die man nun kennt, wesentlich intensiver wirkt.