Lotte in Italia (Struggle in Italy)

 I/F 1969
Avantgarde 76 min.
film.at poster

Vier Etappen im Leben einer jungen Frau im des Widerspruchs zwischen ihrer militanten politischen Tätigkeit und ihren als bourgeois-reaktionär geltenden privaten Wünschen.

Die Filmemacher setzen sie der Tortur der marxistischen Kritik aus und zwängen sie in gefängnisartige Bildkader, in denen die Protagonistin mit dem Rücken zur Wand steht. Die Revolutionäre scheinen ein sadistisches Vergnügen daran zu haben, die Frau in die Enge zu treiben, womöglich weil sie sie, ganz unrevolutionär, begehrten. Lotte in Italia analysiert auf sehr didaktische Weise und in vier Etappen das Leben einer jungen Frau und die Bewusstwerdung eines Widerspruchs: dem zwischen ihrer militanten Tätigkeit und dem, was in ihrem Alltag an bürgerlicher Ideologie übrig bleibt. Eine Off-Stimme hat den Auftrag, alles in Frage zu stellen in diesen ärmlichen Bildern, die sich verteidigen, so gut es geht, je nachdem ob sie als militantes Über-Ich gefilmt ist oder mit ein wenig menschlicher Sehnsucht, die zwar nicht zugegeben, aber trotzdem manchmal sichtbar wird. Es gibt jedoch eine Wahl, die diese Stimme des politischen Bewusstseins niemals in Frage stellt: die dieser jungen weiblichen Figur und der jungen Frau. Etwas erscheint heute offensichtlich: eine seltsame Ähnlichkeit dieser Frauen, die Godard der Tortur der marxistischen Kritik aussetzt, dieselbe bürgerliche Nonchalance, dieselben traurig-zarten Gesichter, dieselbe etwas verschlafene, verträumte und schmollende Art. Das weibliche Modell, das seine Filme vor und nach dieser politischen Phase zeigen, ist eindeutig nicht dasselbe. Lotte in Italia verdeutlicht systematisch die Grundeinstellung, der Jean-Luc Godard mit offensichtlichem Vergnügen die Körper der Schauspielerinnen besagter Epoche unterwirft: eine frontale Attacke, ein gefängnisartiger Kader, mit dem Rücken zur Wand, das ganze noch überschattet von einer Off-Stimme, die im Bild nicht unterzubringen ist, und der man infolgedessen auch nichts entgegnen kann. Die Wiederholung dieser Einstellung, die den Körper der Schauspielerin sozusagen in Zangen klemmt, schafft schließlich ein Gefühl der Unterdrückung und die Off-Stimme kann uns da lange erzählen, daß es sich um eine Metapher für die bürgerliche Entfremdung handelt , dass da von seiten des militanten Filmemachers durchaus eine Spitze Sadismus und Versessenheit dabei ist gegen diesen bürgerlichen Körper, der doch als solcher im Film sehr begehrt wurde. (Alain Bergala, Cahiers du cinéma, 1990)

(Text: Viennale 2004)

Details

Christiana Tullio-Altan (Paola Taviana), Anne Wiazemsky (Comtessa), Jerome Hinstin (Paolas Sohn)
Groupe Dziga Vertov (Jean-Luc Godard, Jean-Pierre Gorin)
Groupe Dziga Vertov
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