Manderlay

2004

Drama

In Manderlay setzt von Trier die zeichenhafte, fast gänzlich auf Dekor verzichtende Theaterästhetik von Dogville fort.

Min.139

Start16.12.2005

«Wenn es irgendwo auf dieser Welt eine Stadt gibt, ohne die die Welt etwas besser dran wäre, dann ist es diese.» Mit diesen Worten ließ Lars von Triers Heldin Grace den Ort Dogville zutiefst enttäuscht hinter sich: Doch da wusste sie nicht, dass sie in den 30er Jahren im amerikanischen Manderlay einer kleinen Stadt in Alabama landen würde. Hier will sie den ehemaligen Sklaven Gutes tun und ihnen beibringen, wie sie mit der neu gewonnen Demokratie umgehen sollen. Doch schnell gerät Grace in ein moralisches Dilemma, das sie immer tiefer in komplexe Vorgänge verstrickt, aus denen sie sich kaum mehr befreien kann. Lars von Trier hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass seine Amerika-Trilogie als groß angelegter Kinofeldzug gedacht ist. In Manderlay setzt von Trier die zeichenhafte, fast gänzlich auf Dekor verzichtende Theaterästhetik von Dogville fort. Wieder schwebt der Regisseur wie ein hohnlachender Gottvater über den stümperhaften Weltverbesserungsversuchen seiner Helden. Wieder führt er den Menschen als von egoistischen Impulsen und zerstörerischen Leidenschaften geleitetes Wesen vor. Die verordnete Freiheit mündet in die demokratisierte Unterdrückung: Am Ende wird Grace als legal gewähltes Plantagen-Oberhaupt ebenjenen Schwarzen auspeitschen, gegen dessen Bestrafung sie zu Beginn einschritt. Manderlay ist ein ungerechter, zynischer Film, ein Pamphlet gegen den selbstgefälligen amerikanischen Demokratiebegriff. Andererseits hat das Kino alles Recht der Welt, politisch auf die Pauke zu hauen. Und vielleicht musste einfach auch einmal auf der Leinwand festgestellt werden, dass es kaum etwas weniger Liberales gibt als einen Amok laufenden Liberalismus. (Katja Nicodemus)

(Text: Viennale 2005)

IMDb: 7.4

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