MECHANIKER IN SACHEN TOD

Im Vergleich zum Vorgängerfilm weist das aktuelle Drehbuch wichtige Änderungen auf: Bishops unerträgliche Einsamkeit scheint nun etwas gemildert, stattdessen gewinnt seine Beziehung zum impulsiven Schützling Steve (Ben Foster) an Tiefe, da dessen ermordeter Vater (Donald Sutherland) in der Neufassung ein besonders naher Freund des Mechanic gewesen ist. Daraus entsteht eine schuldbelastete Lehrer-Schüler-Beziehung, die in der zweiten Filmhälfte für Eskalationen sorgt.

Es ergeben sich Szenen von atemberaubender Brutalität, aus denen vor allem eine hervorsticht: sobald Steve als junger Nachwuchs-Mechaniker seinen ersten Auftrag auszuführen hat, verzichtet er bewusst auf die einfache Tour – er lässt die vorbereitete Giftampulle stecken und rückt seiner Zielperson, die im Vergleich zu ihm ein wahrer Gorilla ist, mit bloßen Händen zu Leibe. Als Hitchcock 1966 in „Der zerrissene Vorhang“ zeigte, wie schwer doch eigentlich die sogenannte „simple Kunst des Mordens“ ist, ging er bei aller Gewaltsamkeit noch relativ dezent vor, aber ein halbes Jahrhundert später hat sich die Drastik der Darstellung gesteigert und die beiden Männer kämpfen mit nervenzerfetzender Verbissenheit um ihr Leben. Und besonders die letzte viertel Stunde rechtfertigt dann vollends das Label „Action-Kracher“, mit dem dieser Film werbemäßig etikettiert wurde.

Ben Foster, der Statham beim Zerstörungswerk zur Hand geht, hat ihre Rollen folgendermaßen definiert: sie spielen „zwei Jungs mit Waffen in New Orleans, die bösen Typen böse Dinge antun“. Statham bleibt jedoch auch als Killer ein Sympathieträger – nur einmal droht er sich dieses Privileg bei uns zu verscherzen, wenn er zwei unschuldige Frauen als Druckmittel einsetzt und einer von ihnen offenbar ernsthaften körperlichen Schaden zufügt. In solchen Szenen treibt Regisseur Simon West ein hinterhältiges Spiel mit unseren Gefühlen.

Aber warum sollte es uns auch besser gehen, als den Filmfiguren? West liebt es, die Erwartungshaltung der Zuschauer zu enttäuschen und es hat den Anschein, als ob er uns alle paar Minuten genüsslich auf eine falsche Fährte lockt: weder ist das hinreißende Mädchen, mit dem Bishop kurz nach Filmbeginn das Bett teilt, seine Lebensgefährtin, noch lässt sich der eigentliche Bösewicht sofort identifizieren.

Wenigstens eine gesicherte Vorhersage können wir dank dem Presseheft treffen: dort wird Wests früheren Filmen wie „Con Air“ oder „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ jeweils ein US-Einspielergebnis von „über 100 Dollar“ bescheinigt. Diese Vorgabe wird „The Mechanic“ wohl locker toppen und hat sich dadurch mindestens 7 von 10 reparaturbedürftigen Rechenmaschinen verdient.

The Mechanic

The Mechanic

USA 2011
Drama, Thriller, Action
07.04.2011
Simon West
Jason Statham im Team mit Ben Foster: Als der Mentor und Freund eines Auftagskillers getötet wird, startet dieser einen Rachefeldzug und will die Schuldigen tot sehen.
6.60

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