Mr. Hoover And I

 USA 1989
Independent 85 min.
film.at poster

Bevor ich Mr. Hoover and I kannte, war meine Einstellung zum Filmschaffen Emile de Antonios immer ein wenig diffus und unsicher. Ich bewunderte de Antonios Erstling, Point of Order, aber meine lückenhafte Vorstellung seiner späteren Arbeiten veranlasste mich, in ihm einen mutigen Radikalen und Intellektuellen zu sehen, der mehr von einem Polemiker und unbezahlbaren Aufmüpfigen aus den 60er Jahren an sich hatte als von einem Künstler. Als ich dann den faszinierenden und äußerst unterhaltsamen Mr. Hoover and I sah, und zwar drei Monate, bevor de Antonio im Alter von siebzig Jahren einem Herzanfall erlag, musste ich meine Ansichten über ihn ernsthaft überdenken. Ich habe mir den Film in letzter Zeit öfter angeschaut und einige der Filme von de Antonio, die ich versäumt hatte. In the Year of the Pig ist der erste und beste der bedeutenden Dokumentarfilme über Vietnam. Mr. Hoover and I hatte einen ungewöhnlich langen Reifungsprozess. In einem Interview im Jahr 1978 spielte de Antonio an auf einen «Spielfilm, den ich über mein Leben machen möchte. Die ersten Gedanken daran kamen mir, bevor wir Underground drehten. Es begann damit, dass ich die Regierung unter Berufung auf den Freedom of Information Act [das Gesetz zur Freigabe von Informationen, das jedem US-Bürger ein Recht auf Einsicht in die Akten der Regierung zugesteht, Anm.] klagte.» Dann beschreibt de Antonio den Erhalt der ersten Lieferung: «Fast 300 Seiten an Dokumenten, die das FBI bis zu meinem 24. Lebensjahr über mich zusammengetragen hatte.» Offensichtlich durchlief das Projekt während der folgenden 15 Jahre entscheidende Veränderungen, doch die Grundidee de Antonio erhält seine Akte vom FBI blieb dieselbe. In seiner endgültigen Form enthält der Film achterlei verschiedene Arten von Dokumentationsmaterial: 1.) und 2.) de Antonio spricht bei zwei, wie es den Anschein hat, getrennten Anlässen in einem neutralen urbanen Interieur vermutlich sein eigenes New Yorker Apartment direkt in die Kamera; 3.) de Antonio hält einen Vortrag in einem College und beantwortet nach einer Vorführung von Point of Order Fragen; einige Verweise auf die Iran-Contra-Hearings machen klar, dass das Datum 1987 oder später ist; 4.) de Antonio befragt John Cage zum Thema Indetermination als ästhetisches Konzept und Methode, während Cage Brotteig zubereitet; 5.) de Antonio plaudert zu Hause mit seiner Frau, während sie ihm die Haare schneidet; 6.) ein kurzer Clip von J. Edgar Hoover und Richard Nixon bei einer Festveranstaltung, bei der Hoover Präsident Nixon ein Abzeichen verleiht, das diesen zum Ehrenmitglied des FBI macht; 7.) Standfotografien Hoovers; 8.) Aufnahmen diverser Abschnitte aus FBI-Dokumenten. (Jonathan Rosenbaum, 1990)

Details

Emile de Antonio, Nancy de Antonio, John Cage
Emile de Antonio
Morgan Wesson, Matthew Mindlin
Emile de Antonio

Kritiken

Kinoprogramm

Es sind uns keine Vorstellungen bekannt.

Film bewerten

0

User Kritiken