© Ulises Proust / San Sebastian Film Festival

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09/26/2021

"Blue Moon": Sozialdrama gewann Hauptpreis in San Sebastian

Am Samstagabend wurde am 69. Internationalen Filmfestival von San Sebastian die "Goldenen Muschel" verliehen. Das rumänische Sozialdrama "Blue Moon" wurde ausgezeichnet.

Der Film von Alina Grigore handelt von zwei jungen Frauen, die hilflos und machtlos versuchen, aus den familiären Traditionen und der sexuellen Unterdrückung zu fliehen, um ein menschenwürdiges Leben zu leben.

Hollywoodstar Jessica Chastain und die junge dänische Darstellerin Flora Ofelia wurden unterdessen ex aequo mit der Silbernen Muschel für "beste schauspielerische Leistung" gewürdigt. Nach der Berlinale hatte auch das Festival von San Sebastian beschlossen, bei den Preisen nicht mehr geschlechterspezifisch zwischen Schauspielern und Schauspielerinnen zu unterscheiden.

Jessica Chastain stellt in Michael Showalters Film "The Eyes of Tammy Faye" überwältigend die auf Tatsachen beruhende Geschichte der US-amerikanischen Sängerin und TV-Evangelistin Tammy Faye dar. Sie war ein gefeierter TV-Star bis ihr Ehemann, der Fernsehprediger Jim Bakker, mit ihren gemeinsamen TV-Sendungen im Namen Gottes ein Vermögen erschwindelte. Tammy Faye glaubte hingegen etwas naiv, ihr Mann mache es wie sie aus Liebe zu Gott.

Der Skandal um ihren verhafteten Mann zog sie allerdings mit nach unten und machte sie ungerechterweise zum Gespött der gesamten Nation. "Mit diesem Film wollte ich Tammy Gerechtigkeit widerfahren lassen", erklärte Jessica Chastain in San Sebastian, die mit ihrer Interpretation auch eine aussichtreiche Anwärterin für die nächsten Oscars werden dürfte.

Die erst 16 Jahre alte dänische Darstellerin Flora Ofelia überzeugte hingegen mit einer bewegenden Darstellung des kleinen Bauernmädchens Lise in "As in Heaven", die durch den tragischen Einfluss von Religion und Traditionen im 19. Jahrhundert ihre Zukunft davonschwimmen sieht. Die dänische Filmemacherin Tea Lindeburg wurde mit "As in Heaven" zudem für die "beste Regie" ausgezeichnet.

Der Preis für das "beste Drehbuch" ging an den Briten Terence Davies für seinen Film "Benediction", der die Geschichte des homosexuellen Poeten Siegfried Sassoon erzählt. Etwas überraschend wurde der begehrte Jurypreis heuer an den belgischen Festivalbeitrag "Earwig" von Lucile Hadzihalilovic verliehen. Der französische Drogenskandal-Film "Undercover" bekam den Preis für die "beste Fotografie".

Im "New Directors"-Wettbewerb konnte sich die junge russische Filmemacherin Lena Lanskih mit ihrem ersten Langspielfilm "Unwanted" durchsetzen. Der Publikums-Preis ging in diesem Jahr an die Französin Céline Sciammas "Petite Maman". Für ihren bewegenden Film über die Gewalt gegen Mädchen in Mexiko wurde Tatiana Huezo mit ihrem Film "Noche de fuego" als bester lateinamerikanischer Festivalbeitrag geehrt. San Sebastian sieht sich als Filmfestival traditionell als eine Brücke zwischen Europa und Lateinamerika, weshalb lateinamerikanische Filme sogar eine eigene Sparte haben.

Insgesamt 16 Wettbewerbsfilme kämpften heuer um die "Goldene Muschel". San Sebastian gehört neben Cannes, Berlin und Venedig zu den weltweit wichtigsten Filmfestivals überhaupt. Das Festival begeisterte heuer mit erstklassigen Filmbeiträgen - aber auch mit vielen internationalen Stars: Jessica Chastain, Penelope Cruz, Antonio Banderas, Stanley Tucci und Javier Bardem präsentierten ihre neusten Filme.

Unterdessen wurden Johnny Depp und Marion Cotillard in San Sebastian mit den diesjährigen "Donostia"-Ehrenpreisen für ihre Schauspielkarriere ausgezeichnet.

Im Vorfeld führte vor allem die Preisvergabe an Hollywoodstar Depp zu Protesten, da ein Prozess wegen häuslicher Gewalt gegen ihn bevorsteht. Depp verteidigte sich in San Sebastian erneut gegen die Vorwürfe seiner Ex-Frau, Schauspielerin Amber Heard und kritisierte das Bewegungen wie #MeToo mit einer guten Absicht entstanden seien, heuer aber vollkommen außer Kontrolle seien. "Niemand von uns ist mehr sicher. Wenn irgendjemand etwas über dich sagt, steht es im Raum und du bist dem ohne großen Verteidigungsspielraum ausgeliefert", so der "Fluch der Karibik"-Star.

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