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Serien-Review
04/30/2019

"Game of Thrones": Epische Schlacht um Winterfell

Serien-Review: Der fulminante Showdown zwischen Feuer und Eis bleibt atemberaubend bis zur letzten Sekunde.

von Erwin Schotzger

Winterfell ist schon seit Beginn der finalen Staffel der zentrale Schauplatz von "Game of Thrones". Hier, in der Hauptstadt des Nordens, stellen sich die Lebenden den untoten Horden des nahenden Night King, nachdem in den ersten beiden Episoden die Ruhe vor dem Sturm herrschte. Damit ist es nun vorbei!

Doch bevor wir uns ins Schlachtgetümmel stürzen: SPOILER-ALARM! Wer "Die lange Nacht", die dritte Episode der finalen Staffel, noch nicht gesehen hat, sollte hier den Rückzug antreten.

 

The Night is Dark and Full of Terrors

Die lange Nacht, in der die epische Schlacht um Winterfell geschlagen wird, beginnt gedrückt und düster. Sorge und Furcht ist in den Gesichtern aller zu sehen, die sich auf die nahenden Horden des Night King vorbereiten. Die Episode beginnt wortlos. Lange Zeit wird kaum gesprochen. Die Spannung ist förmlich zu sehen.

Während sich die Einwohner von Winterfell in der Gruft unter der Stadt in Sicherheit gebracht haben, bereiten die Krieger vor den Stadtmauern die Verteidigung vor. Winterfell ist von hölzernen Barrikaden umgeben. Außerhalb dieses letzten Walls bezieht die riesige Armee aus "Unsullied" Stellung. Ganz vorne warten die berittenen Dothraki auf den Angriffsbefehl.

Daenerys und Jon Snow beobachten mit ihren beiden Drachen das Schlachtfeld von einer Anhöhe aus.

Die Nacht ist lang und voller Schrecken. Noch nie war das Mantra der roten Priesterin Melisandre so spürbar wie in dieser Episode. Es ist ein Gänsehaut-Moment, wenn sie die Kampfsicheln der Dothraki-Reiter mit ihrer Magie in Flammen setzt. Da kommt Hoffnung auf, dass Winterfell in dieser Episode doch nicht fallen wird.

Dann stürmen die Dothraki in die dunkle Nacht hinaus. Über ihren Köpfen werden Feuerbälle in Richtung des Feindes katapultiert.

 

Fulminanter Höhepunkt der Erfolgsserie

Diese Schlacht ist der fulminante Höhepunkt von "Game of Thrones" – und das nach zahlreichen epischen Schlachten und großen Momenten seit dem Start der wohl erfolgreichsten TV-Serien aller Zeiten.

Als die flammenden Sicheln der Dothraki in der fernen Finsternis nacheinander erlöschen, stirbt auch ein Stück Hoffnung auf ein gutes Ende. Die Nacht ist wieder dunkel und kalt. Und aus der Dunkelheit kommt der Tod.

Der Aufbau dieser Episode ist bis zur letzten Sekunde großartig inszenierte Hoffnungslosigkeit. Kaum leuchtet irgendwo ein Hoffnungsschimmer auf, rollt ein Tsunami der White Walker darüber.

Die einzige Frage, die sich mir immer wieder stellt: Warum greifen die Verteidiger der Stadt zuerst an? Was ist aus der Falle geworden, die Bran und die anderen dem Night King stellen wollten? Und vor allem: Wo bleiben Daenerys und Jon Snow mit ihren Drachen?

Der vielleicht einzige Kritikpunkt dieser fantastischen Schlacht ist, dass die beiden Drachenreiter sich offenbar nicht an den Plan halten. Sie jagen dem Night King und seinem untoten Drachen in einem Schneesturm hinterher, anstatt bei der Verteidigung der Stadt zu helfen. Dort wären sie wohl wesentlich nützlicher gewesen.

Ein Schock ist dann auch, dass Drachenfeuer dem Knight King nichts anhaben kann. Und als er dann auch noch die gefallenen Verteidiger von Winterfell – und die Toten in der Gruft von Winterfell – zurückholt und so seine Truppen auffrischt, scheint jede Hoffnung verloren.

 

Not today!

Doch im letzten Moment, kurz bevor alles verloren schien, rettet Arya den Tag! Ja, es ist kaum zu glauben. Auch sie schien schon fast verzweifelt – bis Melisandre zu ihr sagt: "Was sagen wir zum Gott des Todes?"

Der Legende nach hat der Azor Ahai vor 8000 Jahren die Lebenden zum Sieg in der Langen Nacht geführt. Die Prophezeiungen sprechen von einer Wiederkehr des Prinzen. Doch es ist diesmal eine Prinzessin: Arya tötet den Knight King (und mit ihm all seine White Walker) kurz vor seinem Ziel – Auge in Auge mit Bran Stark – mit jenem Dolch aus valyrischem Stahl, mit dem alles begann!

Der Night King fällt durch den Dolch, den Littlefinger in der ersten Staffel einem Attentäter gab, der Bran Stark töten sollte. Denselben Dolch, den er dann Tyrion Lannister untergeschoben hatte. Der Dolch also, der zum Tod von Ned Stark (durch die Festnahme von Tyrion) führte und durch den der Krieg um den Eisernen Thron begonnen hat.

 

Das Spiel um den Eisernen Thron ist wieder offen

Damit ist auch klar, wer der große Endgegner von "Game of Thrones" ist: Cersei Lannister. Nicht der Kampf gegen die Untoten steht im Mittelpunkt dieser bis zuletzt großartigen Fantasy-Serie, sondern der Kampf um den Eisernen Thron von Westeros. Das passt perfekt!

Cersei hat in King's Landing bereits ihre Truppen aufgefrischt.  Schon in der ersten Episode ist Euron Greyjoy mit seiner Flotte aus Essos zurückgekehrt. Mitgebracht hat er ein weiteres Geschenk für die umworbene Königin auf dem Eisernen Thron: Eine Armee aus 20.000 Söldnern, die "Golden Company". Zwar ohne Kampfelefanten, aber ihre Gegner im Norden sind nach den Verlusten im Kampf gegen den Night King schwer angeschlagen.

Die Schlacht um den Eisernen Thron ist nun wieder vollkommen offen.

 

Wer in der Schlacht um Winterfell stirbt

Auch die Tatsache, dass in der Schlacht eigentlich nur Nebenfiguren gefallen sind, macht deutlich, dass das epische Finale erst bevorsteht. Fangen wir mit den bekannten Namen an. Sicher tot sind nach der Schlacht von Winterfell:

Eddison Tollett: Er stirbt als Erster, weil er Samwell rettet. Samwell wäre besser mit den anderen in die Gruft gegangen. Als Kämpfer ist er echt verzichtbar.

Lyanna Mormont: Die tapfere junge Lady tötet in ihren letzten Atemzügen noch einen untoten Riesen.

Beric Dondarrion: Er deckt den Rückzug von Arya und The Hound und stirbt dann – zum letzten Mal – an seinen Verletzungen.

Jorah Mormont: Immerhin stirbt er bei der Verteidigung seiner geliebten Königin.

Theon Greyjoy: Er ist der letzte Verteidiger von Bran Stark und wird vom Knight King persönlich getötet.

Darüber hinaus fallen am Schlachtfeld ein Großteil der Dothraki und sehr viele "Unsullied". Auch die Verluste unter den Häusern des Nordens, die Winterfell verteidigt haben, sind hoch. Die Armeen von Daenerys und Jon Snow sind also schwer angeschlagen.

Allerdings verrät der Teaser für die nächste Episode immerhin, dass die beiden Drachen Drogon und Rhaegal nicht tot sind. In der Schlacht schien es zumindest so, als ob Rhaegal vom untoten Drachen Viserion getötet worden wäre. Aber so ein Drache hält anscheinend einiges aus. Auch der Schattenwolf Ghost taucht im Teaser auf. Cersei hat also noch nicht gewonnen!

 

Hier ist noch der Teaser-Trailer der nächsten Episode: