"Nürnberg": Russell Crowe als Obernazi vor Gericht

Russell Crowe sitzt als Hermann Göring auf der Anklagebank
Der Film bietet ein Psychoduell zwischen Hermann Göring und einem Militärpsychiater.

Von November 1945 bis Oktober 1946 fanden sie statt, die Nürnberger Prozesse. Unter den 24 Hauptangeklagten, zu denen unter anderem Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß, Rüstungsminister Albert Speer und Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop gehörten, zählte auch der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring. Mit seinem Film "Nürnberg", der am 7. Mai in unseren Kinos startet, widmet sich Regisseur James Vanderbilt (50) speziell letztgenanntem Monstrum, dargestellt von Oscarpreisträger Russell Crowe (62).

Gespräche mit dem Teufel - darum geht es

Nürnberg im Jahr 1945: Zwischen den Trümmern der zerbombten Stadt wird dem US-Militärpsychiater Dr. Douglas M. Kelley (Rami Malek, 44) eine heikle Aufgabe übertragen. Vor Beginn der Nürnberger Prozesse soll er die gefangen genommenen Schlüsselfiguren des nationalsozialistischen Regimes psychologisch begutachten. Zu seinen Probanden zählt auch der einstige Reichsmarschall Hermann Göring (Crowe). Nach einem von Machtdemonstrationen geprägten Auftakt schafft es Kelley schließlich, eine Vertrauensbasis herzustellen und tiefer in das Innenleben des Angeklagten vorzudringen. Doch je weiter die Verhandlungen im Gerichtssaal fortschreiten, desto mehr gerät die professionelle Grenze zwischen Arzt und Patient ins Wanken.

Schauspielerische Herausforderung

Als Vorbild für "Nürnberg" diente ein Sachbuch mit dem Titel "The Nazi and the Psychiatrist" des US-Autors Jack El-Hai. Auch darin ist die ungewöhnliche und geradezu gefährliche Beziehung, die sich zwischen Kelley und Göring entwickelt haben soll, Dreh- und Angelpunkt. Um diese diffizile psychologische Gemengelage zwischen den beiden Protagonisten darzustellen, wurde auf doppelte Oscar-Erfahrung gesetzt. Während Göring-Darsteller Crowe 2000 für "Gladiator" ausgezeichnet wurde, ergatterte Malek seinen Academy Award 2019 für das Queen-Biopic "Bohemian Rhapsody".

In den USA, wo das Drama bereits im vergangenen Jahr erschienen ist, lobten viele Kritiker Crowes Darbietung als zugleich selbstherrlicher wie manipulativer Nazi-Scherge Göring. Grundsätzlich würde Vanderbilts Film auf eine sehr stringente Erzählstruktur setzen - was als willkommene Rückbesinnung auf klassisches Kino und zugleich als Abkehr von allzu verkopften Handlungsbögen angesehen werden dürfe.

"Nürnberg" ist derzeit in unseren Kinos zu sehen. Hier geht's zu den Spielzeiten!