The Testament of Ann Lee: Erzählt der Film eine wahre Geschichte?

Amanda Seyfried als Ann Lee schreiend
So entdeckte Regisseurin Mona Fastvold "Mother Ann". Spurensuche im 18. Jahrhundert.

Welche historische Hinterlassenschaft steckt hinter "The Testament of Ann Lee"? Während der Produktion ihres zweiten Spielfilms "The World to Come" entdeckte die preisgekrönte Autorin und Regisseurin Mona Fastvold ein riesiges Archiv von Shaker-Andachtsliedern aus der Region Upstate New York. Darunter war auch eine Hymne namens "Pretty Mother’s Home", geschrieben von einem befreiten Sklaven, der zu einem bedeutenden Anführer der Shaker aufgestiegen war. Dadurch neugierig geworden, fand sie Dutzende weitere Shaker-Hymnen aus jener Zeit, was sie direkt zu Ann Lee und der utopischen Gemeinschaft führte, der Lee im Jahr 1758 beigetreten war. Welche wahre Geschichte steckt also hinter dem aktuellen Film?

Fastvold von Ann Lee fasziniert

"Ich wusste nicht viel über die Shaker, abgesehen von ihrem Möbeldesign – was wohl das ist, was die meisten Menschen heute mit dieser Gruppe verbinden", sagt Fastvold, wie im Presseheft nachzulesen ist. "Zu Beginn, als sie noch die 'Shaking Quakers' von Manchester waren, war es ein Ort, an dem Menschen Religion auf eine andere Weise erkunden konnten. Ich denke, dieser aggressive Stil der Beichte wurde zu einer Form von Therapie. Menschen, die nicht in die Mehrheitsgesellschaft passten, fühlten sich von den Shakern angezogen, weil sie einen Ausweg aus der repressiven und restriktiven Church of England boten."

"Ich war fasziniert von Mother Anns Geschichte und überrascht, dass noch niemand die Geschichte dieser wilden, feministischen Religionsführerin im Amerika des späten 18. Jahrhunderts ans Licht gebracht hatte", fährt die Regisseurin fort. "Sie wurde von der Geschichte völlig übersehen. Hier war eine Frau, die eine andere Art von Kirche anführte und radikale Ideen vertrat, während sie gleichzeitig Zärtlichkeit und Freundlichkeit gegenüber anderen predigte."

Fastvolds Faszination für Mother Ann versetzte sie in eine einzigartige spirituelle Ära revolutionären Denkens. "Um die Zeit, als Ann 1774 nach Amerika auswanderte, gab es eine massive Welle an utopischen Gemeinschaften und religiösen Gruppen", erklärt Fastvold. "Im ländlichen Amerika der Kolonialzeit wurde die Landschaft zu einer Art Mekka für die Neugestaltung der Gesellschaft – oder dafür, die Zivilisation nach den eigenen Vorstellungen zu formen."

Drei Kapitel erzählen Lees Leben

Lee als weibliche Führungspersönlichkeit wurde zum zentralen Fokus von Fastvolds Geschichte, die sie gemeinsam mit ihrem langjährigen Partner, dem Oscar-Nominierten Brady Corbet, zu schreiben begann (die beiden waren für das Drehbuch von "The Brutalist" für einen Oscar nominiert). Unterteilt in drei Kapitel, die die wichtigsten Übergänge in Lees Leben detailliert beschreiben, beginnt "The Testament of Ann Lee" mit ihrer verarmten Kindheit und dem Erwachsenwerden im vorindustriellen Manchester, setzt sich mit ihrer Einwanderung nach Amerika fort und gipfelt im Jahr 1784 – ihrem Tod im Alter von 48 Jahren, nachdem die Shaker im Vorjahr gewaltsam angegriffen worden waren.

Die Co-Autoren wählten einen interpretativen Ansatz für Anns Geschichte. "Vieles von dem, was über Ann Lee geschrieben wurde, basiert auf Vermutungen und Hörensagen. Wir dachten uns, dass das Radikalste, was wir tun könnten, wäre, ihr Testament absolut ernst zu nehmen", erklärt Corbet, "anstatt es aus einer zynischen oder sehr zeitgenössischen Perspektive zu dekonstruieren."

Kreatives Risiko

Für Fastvold fühlt sich dieser Teil des Prozesses "immer ein bisschen wie eine Heimsuchung oder ein Exorzismus an", führt sie weiter aus. "Weil man jahrelang mit der Geschichte und diesen Ideen gelebt hat. Und wenn man sich dann an die Ausführung macht, haben diese Charaktere plötzlich eine eigene Meinung darüber, wohin sie wollen, und man muss ihnen einfach folgen – man muss ihnen quasi hinterherlaufen und ihnen dann aus dem Weg gehen."

Einen waschechten Musical-Film daraus zu machen, war ebenfalls ein kreatives Risiko, das sie um Anns willen eingehen musste. "Inmitten des gewaltigen Kampfes ihrer Geschichte fand ich Humor, Kühnheit und Entschlossenheit", sagt Fastvold. "Ich hatte das Gefühl, dass in dieser historischen Biografie reichlich Platz für große Gesten, kühne Theatralik und opernhaftes Ausmaß ist."

"The Testament of Ann Lee" ist ab 12. März 2026 in unseren Kinos zu sehen. Hier geht's zu den Spielzeiten!