"Wuthering Heights": Darum ist Regisseurin vom Roman "besessen"

Margot Robbie und Jacob Elordi liegen beim Dreh auf dem Heideboden und sind von der Filcrew umgeben
Zeitgerecht zum Valentinstag eine Neuverfilmung von "Sturmhöhe" durch "Saltburn"-Regisseurin Fennell. Was reizt sie daran?

Wenn sich am 14. Februar Paare mit Popcorn und Nachos in die Kinosessel kuscheln, um den Valentinstag mit der Neuverfilmung "Wuthering Heights" zu feiern, sollten sie sich auf etwas gefasst machen. Diesmal hat sich Emerald Fennell (40) des Literaturklassikers angenommen - und die ist für alles bekannt, nur nicht für gefällige Liebesfilme. Bei Fennell bedeutet Liebe Obsession, Sehnsucht Abgrund und Begehren das Einreißen jeglicher Schamgrenzen.

Das hat die Regisseurin auch in ihrem letzten Coup "Saltburn" gezeigt. Da trinkt der Protagonist schon mal das Badewannenwasser des Objekts seiner Begierde - und das ist bei weitem nicht die verstörendste Szene des Films. In Interviews verteidigte Fennell die Szene und sagte, wir seien es nur nicht gewohnt zu sehen, wie echtes Verlangen aussehe: "Den Boden einer Badewanne abzuschlecken, wenn man vor Sehnsucht nach jemandem, den man nicht haben kann, völlig außer sich ist, ist speziell und instinktiv - aber nicht seltsamer als das, was wir tun, wenn niemand zusieht." Das ist Fennell.

Die 1985 in London geborene Künstlerin begann ihre Karriere vor der Kamera, international bekannt wurde sie 2019 als Camilla Parker Bowles in "The Crown". Schon damals schrieb sie eigene Drehbücher, der Wechsel hinter die Kamera war nur eine Frage der Zeit. Großen Anteil daran hatte auch ihre Freundin und "Fleabag"-Schöpferin Phoebe Waller-Bridge (40), die sie in den Writers' Room von "Killing Eve" holte. Fennell arbeitete sich im Autorenraum schnell zur Head Writerin hoch und wurde direkt für zwei Emmys nominiert.

"Promising Young Woman": Ein Oscar fürs Debüt

Mit ihrem Langfilmdebüt "Promising Young Woman" machte sie 2020 dann ernst - und praktisch alles selbst: Drehbuch, Regie, Produktion. Der grellbunte Rache-Thriller schickt Carey Mulligan (40) mit verschmierten Lippenstift als scheinbar betrunkene Cassie durch Bars und Clubs, wo Männer ihre vermeintliche Hilflosigkeit ausnutzen wollen - bis Cassie ihnen einen Denkzettel erteilt. Der Film ist gleichzeitig bitter, wütend, pechschwarz komisch und die empathischste Version seines Genres. Der Lohn war ein seltener Triumph für ein Debüt: ein Oscar für das beste Originaldrehbuch sowie weitere Nominierungen für Regie und Film.

2023 folgte "Saltburn", der Film mit dem Wannenwasser, der Fennells Ruf als furcht- und schamlose Regisseurin mit eigenen Visionen und Ideen endgültig festigte. Ein Dark-Academia-Fiebertraum über Klassenunterschiede, Obsession und soziale Fantasien, erzählt in hochästhetischer Bildsprache. Fennell verband diesmal Horror, Humor und Erotik so spielerisch, dass man sich nie sicher sein konnte, ob man gerade angewidert, angetörnt oder amüsiert sein soll. Auch der Streaming-Hit sammelte Nominierungen von Golden Globes bis BAFTA.

Ob Rache, Dazugehörigkeit, Dinge oder Menschen - unbändige Sehnsucht nach etwas oder jemandem ist für Fennell ein Hauptmotiv. "Wir befinden uns in einem Zustand des Verlangens", sagte sie dazu. "Wir alle schlürfen das alte Badewasser anderer Leute. Und das macht uns wütend."

Fennell war "besessen" von "Sturmhöhe"

Da passt "Wuthering Heights" perfekt ins Bild. In Emily Brontës Romanvorlage geht es um Klassenunterschiede, zerstörerische Liebe, Rache und Begehren. Der Stoff wirkt, als hätte er nur auf Fennell gewartet. Doch es war andersrum: Beim Brontë Women's Writing Festival erzählte sie, dass sie den Roman mit 14 zum ersten Mal gelesen hat und er etwas "Ursprüngliches" oder "Primitives" in ihr geweckt hätte: "Ich war wie besessen. Dieses Buch hat mich in den Wahnsinn getrieben."

Mit Margot Robbie (35) als Catherine Earnshaw und Jacob Elordi (28) als Heathcliff hat sie zwei der gefragtesten Hollywoodstars engagiert, um ihre Fantasien nun 25 Jahre später Wirklichkeit werden zu lassen. Und die Kritik ist sich herrlich uneinig: Ist Fennells Version noch sexy oder schon obszön, psychologisch tief - oder schon abgründig, kreative Freiheit oder Blasphemie am Original? Man muss diesen Film offenbar selbst sehen, die Frage ist nur: alleine oder zu zweit?