Filmkritiken
15.06.2018

Ocean's 8: Debbie und ihre Mädels zocken naive Männer ab

Heist-Movie mit coolem Rollentausch, das mehr Charaktertiefe und weniger Beauty-Contest vertragen könnte.

Banken ausrauben, ist nicht das Ding von Debbie Ocean (Sandra Bullock). Zu langweilig. Das kann ja jeder. In dieser Hinsicht kann sie nicht leugnen, dass sie die Schwester von Danny Ocean ist. Die akribische Planung genialer Heist-Coups scheint in der Familie Ocean schon von Kindesbeinen an zum Standardprogramm zu gehören. Die vergangenen fünf Jahre, acht Monate und zwölf Tage verbrachte Debbie im Gefängnis damit, den Coup zu planen, dessen Umsetzung wir in den kommenden 111 Minuten erleben werden. Um das liebe Geld geht es dabei auch, aber nicht hauptsächlich. Ganz oben auf der Liste der Motive steht– wie auch schon bei "Ocean's 11" – Rache!

 

Kurzweiliges Heist-Movie

Filmkritik: Ocean's 8

Zur Sache: Ausgeraubt werden soll diesmal die alljährliche Met Gala im New Yorker Metropolitan Museum of Art. Das Fashion-Event des Jahres wird vom It-Girl Daphne Kluger (Anne Hathaway) als Gastgeberin organisiert. Von ihrem Hals soll eine historische Diamantenkette im Wert von sagenhaften 150 Mio. Dollar entwendet werden. Dazu stellt Debbie ein achtköpfiges Team auf. Nur Frauen. Denn – und hier wird wohl eine wesentliche Motivation des Gender-Swapping offenbart – wie Debbie einmal sagt: "Wir machen das nicht für mich oder für euch, sondern für das achtjährige Mädchen da draußen, das davon träumt Kriminelle zu werden." Alles klar! Cool. Dann kann's ja losgehen.

Wir sehen natürlich über die logischen Lücken und fantastischen Unwahrscheinlichkeiten im Plan von Frau Ocean hinweg – davon gab es ja in Ocean's 11, 12 und 13 auch nicht wenige. Der Zauber der Heist-Filme, die Danny Ocean mit seinen Kumpels immer wieder durchzog, lag ja nicht im Raubzug an sich, sondern viel mehr im coolen, ausgesprochen männlichen Zusammenspiel der Kumpels. Schon das Original "Frankie und seine Spießgesellen" war vor allem eine Verherrlichung der coolen Attitüde seiner Stars. Und Stars hat auch Ocean's 8 einige zu bieten: Sandra Bullock als Mastermind Debbie Ocean, Cate Blanchett als ihre beste Freundin Lou, Helena Bonham-Carter als Modedesignerin Rose, Rihanna als überaus begabte Hackerin Nine Ball und Sarah Paulson als teilzeitkriminelle Mama Tammy. Nur die coole Rat-Pack-Attitüde zwischen den Mädels funktioniert nicht ganz so gut wie bei den Kumpels. Dabei sind die zahlreichen Seitenhiebe auf das chauvinistische Männergehabe der Vorgängerfilme durchaus unterhaltsam. Aber irgendwie fehlt etwas im Zusammenspiel der Mädels.

 

Coole Rat-Pack-Attitüde kommt nicht an

Filmkritik: Ocean's 8

Am ehesten überzeugen noch Blanchett und Hathaway, aber Bullock nimmt man die coole Attitüde nicht ab. Und auch der Freundschaft zwischen Debbie und Lou fehlt die Chemie. Bei den Rollen von Rihanna, Awkafina und Mindy Kaling stolpert "Ocean's 8" dann sogar über die eigenen Klischees: Während sich der Film über männlichen Chauvinismus lustig macht, werden andere Chauvinismen unkritisch fortgeführt. Nine Ball (Rihanna) ist aus einem Rappervideo entsprungen, Constance (Awkafina) ist eine asiatische Trickbetrügerin und Hütchenspielerin und Amita (Mindy Kaling) eine unverheiratete Juwelierin im Familienbetrieb der indischen Familie. Typische Klischees, die man in Hollywood-Filmen immer wieder genauso sieht. Nur fällt es auf, wenn man sich über einen Chauvinismus lustig macht und dabei blind für den anderen zu sein scheint.

Dennoch haben Regisseur Gary Ross ("Die Tribute von Panem") und seine Drehbuchautorin Olivia Milch mit "Ocean's 8" insgesamt ein kurzweiliges Kino-Abenteuer abgeliefert, das zur Abwechslung einmal ein All-Female-Rat-Pack in den Mittelpunkt stellt. Aber es hätte auch mehr werden können als nur ein perfekt durchgestylter Schönheitswettbewerb mit gut platziertem Product Placement in Form eines Heist-Movies.

 

Erwin Schotzger