Ossos (Bones)

 P/F/DK 1997
Drama 94 min.
film.at poster

Tina, ein stilles, freudloses Mädchen, wohnt in einem Lissabonner Armenviertel. Abgestumpft durch die Armut und Enge ihrer Existenz kämpft sie mit großen psychischen Problemen und ist mit ihrer neuen Rolle als Mutter überfordert. Nachdem ihre Freundin Clotilde sie und ihr Kind aus dem Krankenhaus abgeholt hat, dreht Tina zu Hause den Gashahn auf. Für das Baby ist diese Kurzschlussreaktion nur die erste von vielen Gefahren, denen es ausgesetzt ist. Ossos erzählt nicht nur von materieller Not und Armut, sondern auch von der Armut der Gefühle, von der Unfähigkeit zu kommunizieren, zu lieben und Liebe anzunehmen. Dabei kommentiert, wertet oder moralisiert Costas Film nicht: In schonungslosen und zugleich poetischen Bildern beobachtet er seine Figuren, die ihrer Einsamkeit nicht entkommen und die weder ihre innere noch die äußere Enge ihrer Herkunft überwinden können. An die Umsetzung von Ossos machte sich Costa mit nur wenigen Drehbuchskizzen und auch die legte er beiseite, als er in den Armenvierteln um Lissabon seine Darsteller gefunden hatte, von deren Persönlichkeit und Ideen er sich bei der Fertigstellung des Films inspirieren und leiten ließ. So geht auch der sparsame Einsatz von Dialogen auf die Mentalität der Laiendarsteller zurück, die, so Costa, «viel mehr als wir wissen, es aber nicht in Worten sagen können.» Die Begegnung mit den Kapverdischen Inseln während der Dreharbeiten zu Casa de lava waren für Costas weitere filmische Arbeit bestimmend geworden. Er begann sich zunehmend für Fontainhas zu interessieren ein Stadtteil, in dem vor allem Migranten, Drogensüchtige und andere Marginalisierte leben und wandte sich mit Ossos immer mehr den Rändern der Gesellschaft zu. Die Personen irren herum wie Schatten, wirken verloren, leben in einer Art Ghetto oder geschlossenen Welt, deren Realitätsgehalt Costa nachspürt, ohne in seinen faszinierenden Bildern dokumentarisch zu sein. (Birgit Kohler)

(Text: Viennale 2005)

Details

Vanda Duarte (Clotilde), Nuno Vaz (Vater), Maria Lipkina (Tina), Isabel Ruth (Eduarda), Inês Medeiros (Mädchen), Miguel Sermão (Clotildes Ehemann)
Pedro Costa
Wire, Subura
Emmanuel Machuel
Pedro Costa

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