Raja

Frankreich, Marokko, 2003

Independent

Min.112

Jacques Doillon, der immer schon einen genauen Blick für die Rituale der Jugend und des Erwachsenwerdens besaß, erzählt eine Geschichte aus Marokko, von einer jungen Frau und ihrem französischen Arbeitgeber, in der die ganze Palette von erotischer Anziehung, gesellschaftlichen Unterschieden und unvereinbarer Mentalität durchgespielt wird. Der Franzose, der vor Beziehungsproblemen in sein Anwesen in Marrakesch geflohen ist, hat ein Auge auf eines der Mädchen geworfen, die in seinem Garten arbeiten, Raja. Eigentlich will er nur Sex, aber ehe er es sich versieht, kommt etwas anderes ins Spiel, Gefühle, die man kaum Liebe nennen kann, die aber über die Begierde hinausgehen. Raja hingegen weiß zwar kaum, wie sie der Zuneigung des älteren Mannes begegnen soll, scheint aber dennoch entschlossen, sich diese Gelegenheit nicht entgehen zu lassen, ihrem Freund, ihrer Herkunft, ihrem Elend zu entkommen. So entspinnt sich ein komplexes Geflecht von Abhängigkeit und Schüchternheit, Eitelkeit und Verzweiflung, Flucht und Entgegenkommen. Dass die fröhliche Unschuld der Mädchen mit einem eher pragmatischen Verhältnis zur Sexualität gepaart sein könnte, entzieht sich dem selbstgefälligen Franzosen, der glaubt, mit Geld ließe sich alles lösen. Immer tiefer verstricken sich die beiden in einer Choreografie von Missverständnissen, die von zarten Gefühlen und brutaler Nüchternheit zugleich lebt. So können eben nur die Franzosen von der Liebe erzählen. (Michael Althen)

  • Regie:Jacques Doillon

  • Kamera:Helene Louvart

  • Autor:Jacques Doillon

  • Musik:Philippe Sarde

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