Rosetta

 F / Belgien 1999
Independent 07.09.2001 
film.at poster

Die 18jährige Rosetta lebt mit ihrer Alkoholsüchtigen Mutter in einem Wohnwagen. Mit allen Mitteln versucht sie Arbeit zu finden, um aus ihrem trostlosen Dasein zu fliehen und endlich ein normales Leben führen zu können.

Rosetta lebt mit ihrer alkoholsüchtigen Muttter in einem Wohnwagen auf einem heruntergekommenen Campingplatz an der Peripherie von Seraing. Rosetta sucht Arbeit. Sie ist besessen davon, Arbeit zu finden und sei sie noch so dreckig, anstrengend und erniedrigend. Für Rosetta ist es der einzige Weg, dem Sumpf aus Armut, Isolation und Depression zu entkommen und endlich, nein kein angenehmes, kein luxuriöses, sondern lediglich ein normales Leben zu führen.

Aber in Belgien herrscht Depression. Rosettas Mutter prostituiert sich um Essen kaufen zu können. Rosetta kämpft wie ein wildes Tier, sie legt sich mit jedem an, der ihr in den Weg kommt. Den einzigen Freund, den sie gefundet hat, betrügt sie, um an seinen Job zu kommen. Doch Rosetta ist nicht unmenschlich und kaltherzig. Wie jeder andere sehnt sie sich nach Geborgenheit und Liebe. Aber Vertrauen und Ehrlichkeit kann sie sich im täglichen Kampf ums Überleben nicht leisten.

Rosetta ist die schonungslose, verstörende Gegentherapie zu Teenagerkomödien á la "Eine wie Keine" oder "10 Dinge, die ich an dir hasse". Statt gestylter Teenager, die auf dem gepflegten Gelände des College-Campus ihren Liebesangelegenheiten nachgehen, ringen vom Leben gezeichnete, zu menschlichem Abfall gestempelte Individuen in trostlosen Industriegegenden um das bißchen Leben, das man ihnen zugesteht. Mit Handkamera gedreht entwickelt der Film die Atmosphäre einer Dokumentation. Das Innenleben der Protagonisten bleibt ausgespart. Realistisch gezeichnete Details reichen sich hart aneinander und zeichnen das Bild einer Gesellschaft, in der der Mensch nichts, seine Stellung und Funktion alles ist.

Der zweite Film der belgischen Regisseure Jean-Pierre und Luc Dardenne war der Überraschungserfolg der Filmfestspiele von Cannes. Sowohl der Film als auch die Hauptdarstellerin, die 18jährige Newcomerin Emilie Dequenne wurden mit der goldenen Palme ausgezeichnet.

Details

Emilie Dequenne, Fabrizio Rongione, Anne Yernaux, Olivier Gourmet
Jean-Pierre Dardenn, Luc Dardenne
Alain Marcoen
Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne

Kritiken

Kinoprogramm

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    Die Dardenne Brüder haben ein erschütterndes Soziogramm einer Gesellschaft abgeliefert, die im Raumtierkapitalismus angesiedelt ist. Da geht es ums nackte Überleben ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Solidarität jenseits aller moralischer Werte und gesellschaftlichen Konventionen. Rosetta (Emilie Dequenne) wohnt mit ihrer Mutter, die an der Flasche hängt und sich prostituiert, in einem Wohnwagen auf einem Campingplatz und bringt beide irgendwie durch. Die Regisseure sehen sie als ‘Soldat‘, der im Krieg ist. Es ist eine völlig unakzeptable Art zu leben. Selbst als sie in Riquet (Fabrizio Rongione) einen Freund findet, nach den Dardennes ‘ein Engel‘, verrät sie ihn, um seinen Job zu bekommen. Als er zu ertrinken droht, zögert sie lange bis sie ihn endlich rettet.
    Die Handcam verfolgt sie ständig fast auf Tuchfühlung, lässt den Zuschauer nicht mehr los und zwingt ihn genau hinzusehen und gemeinsam Rosetta zu folgen. Und die ist ständig in Eile. Nicht auf der Flucht sondern auf der Jagd – nach einem Job. Der Film entwickelt eine dokumentarische Qualität. Es gibt keinen Kommentar und keine Wertung. Ungeschönt laufen Rosettas Tage ab. Das geht unter die Haut, denn die Gnadenlosigkeit ist durchaus realistisch. Die Debütantin Emilie Dequenne scheint für diese Rolle wie geschaffen. Sie ist absolut authentisch. Höhepunkt und Schluss ist ihr vorübergehender Zusammenbruch und ihr Blick in die Ferne, da wo sich vermutlich Riquet aufhält, nachdem er ihr wieder auf die Beine geholfen hat. Großartig.