Salamandra

 Argentinien/F/D 2008
Drama 91 min.
6.20
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Argentinien nach der Militärdiktatur zu Beginn der 80er Jahre: Alba, gerade aus dem Gefängnis entlassen, nimmt ihren Sohn mit in ein abgelegenes Hippiedorf am Fuße der Anden.

Argentinien nach der Militärdiktatur zu Beginn der 80er Jahre: Alba, gerade aus dem Gefängnis entlassen, holt ihren Sohn Inti ab. Er ist sechs Jahre alt, sie dreißig, und die beiden haben einander noch nie gesehen. Alba bringt Inti nach El Bolsón, einen entlegenen Landstrich in Patagonien, in dem Außenseiter aus allen Winkeln der Welt Zuflucht finden. Hier treffen sich die «Erleuchteten» - Hippies, die sich für eine mehrere Tage und Nächte dauernde Party eingefunden haben. Währenddessen haben in El Bolsón, am Fuße der Anden, die Kinder der Bauern ihren Spaß, wenn sie ein Schulgebäude demolieren, das gerade erst errichtet wird. Oder sie attackieren die Häuser von Neuankömmlingen. Zwischen diesen beiden rauen Welten versuchen Alba und Inti sich einzurichten, ein neues Leben als Mutter und Sohn aufzubauen. Während Alba ihren Tagträumen nachhängt, hält sich Inti an seinen «Überlebens-Kasten». Mit der Handkamera fängt Agüero die verängstigte und verwirrte Sicht Intis ein, der Nähe und Halt sucht, sich aber in einer Umgebung völliger Verwahrlosung wiederfindet, geprägt von Schmutz und Armut. Mit bestürzenden Detailaufnahmen und unheimlichen Geräuschen von Insekten tauchen wir ganz ein in die Wahrnehmung Intis und in die Abscheu, die sich in ihm breit macht. Bei der Mutter herrscht indes Orientierungslosigkeit: Alba sucht ihre Rolle in der Welt und möchte ein stabiles Umfeld aufbauen, doch dazu ist sie nicht fähig. Sie lebt in ihren Träumen von einer besseren Zukunft und schafft es nicht, im neuen - und allzu freien - Leben Fuß zu fassen. Pablo Agüero ist selbst in El Bolsón aufgewachsen und hat all seine bisherigen Filme dort gedreht. Zweifelsohne eine prägende Erfahrung, die ihn nicht loslässt. (Carola Heinrich)

(Text: Viennale 2008)

Details

Joaquin Aguila (Inti), Dolores Fonzi (Alba), Daniel Fanego (Chilene), John Cale (Dick Winter) u.a.
Pablo Agüero
Hélène Louvart
Pablo Agüero

Kritiken

Kinoprogramm

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User Kritiken

  • Kein neues Leben
    Es ist ein deprimierender Film über eine Ex-Knacki Mutter und ihren Sohn. Bei ihrer Suche nach Freiheit scheitert sie nicht nur, sondern – was viel schlimmer ist – ihr Leben geht immer so weiter. Planlos, ohne Aussicht auf Besserung. Die Mutter bleibt blass und droht in Chaos und Siff zu versinken. Sie ist hin und hergerissen zwischen ihrer Mutterrolle und ihrer eigenen individuellen Sehnsucht. Erhält aber keine Gelegenheit das zu vertiefen. Sie wirkt irgendwie abgehoben zufrieden, macht sich selbst was vor und wurschtelt sich so durch. Der kleine Sohn versucht das Beste zu machen aus dem Leben, das er gezwungen ist zu führen. Seine momentane Hilflosigkeit kann eventuell rühren, denn es ist absehbar, dass er sich von seiner Mutter trennen wird. Die wackelige Handkamera, die den Figuren immer ganz nah auf der Pelle rückt, nervt auf Dauer. Ohne Betroffenheit fragt man sich wie Mutter und Sohn am Ende „Machen wir ’ne Bergtour?“ Na toll! Das hat jetzt gerade noch gefehlt…