Wilde Unschuld

 E/USA 2007

Savage Grace

Drama 09.05.2008 ab 16 96 min.
5.90
Wilde Unschuld

Tom Kalin erzählt in sechs Szenen die Geschichte eines wahren Verbrechens, das man zu den großen amerikanischen Tragödien rechnen kann.

New York in den 40er Jahren. Die mittellose Barbara Daly heiratet den reichen Brooks Baekeland, dessen Vater den Kunstoff Bakelit erfand. Doch die Ehe ist unglücklich, der Klassenunterschied zwischen der ungebildeten Schönen und dem noblen Erben ist nicht leicht zu überwinden, und die Geburt ihres einzigen Kindes, Tony, treibt das Paar schließlich in emotionale Extreme. Als sich auch noch herausstellt, dass Tony homosexuell ist, zerbricht das Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Dafür bekommt die Beziehung von Mutter und Sohn eine bedrückende Enge mit sexuellen Untertönen, in welcher der Samen für eine Katastrophe keimt: Am 17. November 1972 wird Barbara in ihrer Londoner Wohnung ermordet. Tom Kalin erzählt in sechs Szenen, die einen Zeitraum von dreißig Jahren umfassen, die Geschichte eines Verbrechens, das auf beiden Seiten des Atlantiks Schlagzeilen machte und noch heute zu den großen amerikanischen Tragödien zählt. Tom Kalin und sein Autor Howard Rodman haben zu der auf einer realen Begebenheit beruhenden Geschichte jenes umfangreiche Material hinzugezogen, das Natalie Robins und Steven M.L. Aronson bereits in ihrem Buch über den Aufsehen erregenden Fall zusammengetragen hatten, und erzählen Savage Grace dabei ähnlich einer klassischen Tragödie. Kalin und Rodman machen sich etwa die zahlreichen Briefe zunutze, welche die Beteiligten einander und dritten schrieben, zum Beispiel jenen von Brooks' Vater, wenn dieser meint: «Ein großer Nutzen des Geldes ist der, dass es uns erlaubt, nicht mit den Konsequenzen unserer Fehler zu leben.» Indem er gewissenhaft das Melodramatische der Geschichte weitgehend ausklammert, verleiht Kalin den Figuren eine bestimmte Menschlichkeit - mit all ihrer Bosheit, Fehlern und Schwächen. (Bernard Besserglik)

(Text: Viennale 2007)

Details

Julianne Moore, Stephen Dillane, Eddie Redmayne, Elena Anaya u.a.
Tom Kalin
Fernando Vélazquez
Juan Miguel Azpiroz
Howard A. Rodman
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ab 16

Kritiken

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User Kritiken

  • Muttermord
    Mutter (Julianne Moore) macht Sohn Tony (Eddie Redmayne) zu ihrem Mann.
    Dieses Thema kann man unter dem Aspekt Psychostudie sehen (fehlgeleitete Mutterliebe oder ganz einfach abwegige sexuelle Praktiken). Man kann aber auch darin eine Parabel über grenzüberschreitende Gewalt sehen, vor allem wenn man an das Ende denkt. Ausgehend von der Sexualität überschreiten alle Figuren die moralisch akzeptierten Grenzen und driften in Richtung Gewalt ab, um ihre Ziele zu erreichen. Nach den gängigen Praktiken von Mann mit Mann bzw. Frau mit Frau wird Gewalt zum bestimmenden Faktor im zwischenmenschlichen Bereich, selbst beim Ehepaar Baekeland. Der Sex dient nicht mehr der Lust, sondern nur noch der Macht und das promiskuitiv. Mit der moralischen Grenzüberschreitung kommt auch die physische. Man bewegt sich in einer Atmosphäre, in der man sich als Gott fühlt und über den Normen steht. Da passt sogar der Suizid ins Bild. Nur ein Gott kann sich das Leben nehmen. Wenn Mutter und Sohn mit dessen schwulem Freund gemeinsam erwachen, können sie nur lachen. Moral und Norm geben Leitlinien vor. Die muss man zwar nicht immer befolgen, aber es kann gefährlich werden, weil sie auch Schutz bieten.
    Im Nachspann zu diesem Gruselstück erfahren wir noch von Tonys Ende. Eine letzte Konsequenz. Ein Film, den man eigentlich nicht sehen will. Chapeau vor Julianne Moore.