Sehnsucht (2006)

 D 2006
Drama 05.01.2007 88 min.
6.50
Sehnsucht (2006)

Ella und Markus sind seit Kindertagen unzertrennlich. Von außen betrachtet wirkt diese Ehe wie das reinste Familienidyll, doch der Schein trügt...

Sehnsucht spielt in einem Dorf in der Nähe von Berlin und erzählt vom Ehepaar Ella und Markus, welche seit Kindertagen unzertrennlich sind. Von außen betrachtet wirken sie wie das reinste Familienidyll, doch der Schein trügt: Bei einem Ausflug mit der Freiwilligen Feuerwehr lernt der Ehemann eine andere Frau, Rose, kennen. Die scheinbar heile Welt des 30-jährigen Schlossers gerät ins Wanken. Markus kann sich der Verbindung nicht entziehen - eine tragische Dreiecksgeschichte beginnt. Markus liebt seine Frau, doch er liebt auch Rose. Das ist die ganze Tragödie. So einfach ist das - und Grisebach inszeniert es als das, was es ist: eine einfache, eine furchtbar einfache Tragödie. Grisebach erzählt diese mit Anspielungen auf «Romeo und Julia», doch sie überhöht dabei nicht, sondern reduziert. Sie legt im Innersten eines überzeugenden naturalistischen Äußeren eine Geschichte frei, die so konkret wie universal ist. Die als universale gerade deshalb überzeugt, weil sie so unendlich konkret ist - bis zum Einsatz der Sprühsahne, bis zum wackligen Gesang im Dorfchor. Grisebach hat in Sehnsucht ausschließlich mit Laien gearbeitet. Was sie mit ihren Darstellerinnen und Darstellern erreicht, macht staunen. Sie spielen keine Rollen, sondern sie führen eine Aneignung vor: Aneignung der Geschichten, die nicht ihre sind, Aneignung von Gefühlen, die sie kennen, wenn auch vielleicht nicht genau so. Die Regie, der Schnitt, die Kamera zeugen dabei von einem wunderbaren Rhythmusgefühl. Im rechten Moment gibt es den Trost fürs aufgewühlte Empfinden, Blicke hinaus, auf die Natur, auf das Rauschen der Bäume. Und wie jede ordentliche Tragödie hat der Film ein bezauberndes Satyrspiel als Epilog. Die Geschichte und ihr möglicher Ausgang werden spielerisch verhandelt, aus Kindermund kommentiert. Ein großartiger Einfall fürs Ende eines großartigen Films. (Ekkehard Knörer)

(Text: Viennale 2006)

Details

Andreas Müller, Ilka Welz, Anett Dornbusch, Erika Lemke
Valeska Grisebach
Martin Hossbach
Bernhard Keller
Valeska Grisebach
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Kritiken

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User Kritiken

  • Zwischentöne
    Ein sensibler Film, dessen Stärke meiner Meinung nach in den Zwischentönen liegt. Das exzessive Casting, das hier betrieben wurde, macht sich vor allem bei der Schilderung von Alltagsszenen bezahlt, wo eine selten realistische Atmosphäre erreicht wird. Ein wenig hat er mich auch an "Halbe Treppe" bzw. "Open Hearts" (Dogma-Film) erinnert. Leider verliert sich die Story mitunter so stark im Moment, das zu wenig Zeit für die grundlegende Rahmenhandlung und menschliche Hintergründe bleibt. Darunter leidet die Plausibilität. Probleme hatte ich auch mit dem Hauptdarsteller, dessen getragener Ausdruck auf mich zeitweise flach wirkte - ähnlich wie bei Tom Cruise. Überhaupt erschien mir die vom Film gezeichnete Welt als deutlich menschlicher und liebevoller als es in der alltäglichen Begegnung sonst der Fall ist, wodurch noch unbegreiflicher erscheint, warum es gegen Ende zu derart drastischen Konsequenzen kommt.
    Doch alles in allem sollte man eines nicht vergessen - nur die hohe Qualität und Sensibilität dieses Filmes bewirken, dass man kleine Unstimmigkeiten als besonders störend empfindet. Und gerade deswegen kann ich ihn guten Gewissens empfehlen.